Pattinson vermasselt Cronenbergs "Cosmopolis"

FLOP
Die Welt ist schlecht, überhaupt, wenn sie an einem vorüberzieht. Gesehen vom Rücksitz einer meterlangen Stretch-Limo, mit der Eric Packer (Robert Pattinson) durch die Straßen New Yorks kurvt, stundenlang, weil draußen so viel Verkehr ist. Kein Fortkommen mehr, dabei will er doch nur zum Friseur, verdammt! Aber wenn sich die Fahrt dorthin schon so zieht, warum nicht ein bisschen Philosophieren über das Leben und seine Abscheulichkeiten?
Eric Packer ist einer von diesen Leuten, die man jetzt überall hasst. Er arbeitet an der Börse, hat das Geld anderer Leute in Gold verwandelt. Er ist mit dieser Methode reich geworden, reich und zynisch. Zynisch gegenüber einem System, das die Welt beherrscht. Für Eric Packer ist es höchst erregend, wenn er an riskante Termingeschäfte denkt. Das ist wie Sex. Nein, das ist besser als Sex! Denn wenn Packer hier auf der Rückbank seines Autos Verkehr mit wechselnden Partnerinnen hat (unter anderem mit Juliette Binoche), verschafft ihm das nur einen kurzen Kick. Denn die Börse ist die bessere Frau: Sie lockt zu jeder Zeit mit verführerischen, orgiastischen Exzessen, nach denen Packer giert. Und doch bleibt ein schales Gefühl: Packers Seele ist dominiert von einer schier unendlichen Leere, der er zu entrinnen sucht.

Vorahnungen

Die Geschichte nach dem Buch von Don DeLillo, die David Cronenberg in seltsam ruhigen, sterilen, zugleich aber vorahnungsschwangeren, düsteren Bildern verfilmt hat, zirkelt trotz der Verhandlung komplexer Themen wie Wirtschaftskrise und Finanzmarkt um die ganz banalen Fragen des Lebens: Zwar bettet Eric Packer seine Gedanken zu simplen Fragen in hochphilosophische Abhandlungen zum Menschsein, aber gleich zu Beginn gibt er mit seiner Neugier den banalen Duktus dieses Seelendramas vor: „Wo übernachten eigentlich all die Stretch-Limos“, fragt er.



Robert Pattinson bleibt in „Cosmopolis“ so blutleer wie in „Twilight“



Packer wird im Verlaufe des Films mehr und mehr auf sich selbst zurückgeworfen, da helfen ihm auch die zahllosen Figuren nicht, die immer mal wieder in seine Limo einsteigen, mit ihm sprechen, ihm zuhören, wieder aussteigen. Es ist die Ego-Show eines Mannes, der nicht mit sich selbst ins Reine kommt. Dass die Stadt draußen gleichmäßig gemächlich wie auf einem Förderband vorbeizieht, markiert den einzigen sich wandelnden Bildteil in einem Film, der von der Statik, vom Gefangensein der verwundeten Seele seiner Hauptfigur besessen scheint.
Cronenbergs Großstadt-Odyssee will nicht die Welt erklären, und auch nicht die Wirtschaftskrise. Sie zeigt Sex, einen Mord und Gespräche über Kunst; all das in dahinplätschernden Bildern, die diesem geschwätzigen Ego-Trip als Oberfläche dienen, unter der sich eigentlich ein Horror-Thriller verbirgt. Allein, und das ist der Grund, weshalb Cronenbergs durchdachte Inszenierung nicht funktioniert: Robert Pattinson erweist sich (einmal mehr) als Fehlbesetzung. Er kann Verschlagenheit und Hinterlist nicht spielen, kann keine Verletzlichkeit ausdrücken, kann nicht einmal überzeugend seinen Text vortragen. Es ist egal, ob er seine Sonnenbrille abnimmt, denn seine Augen sagen nichts. Es sind die eines blutleeren Vampirs.
– Matthias Greuling
URTEIL: FLOP
Cosmopolis (CAN/F 2012), ab 5.7. im Kino
Ein Interview mit David Cronenberg findet Ihr in unserer aktuellen Printausgabe!
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Ein Gedanke zu “Pattinson vermasselt Cronenbergs "Cosmopolis"

  1. Harald Simon says:

    Ich hab mir jetzt die Trailer zu „Bel Ami“ und „Cosmopolis“ gegeben. In beiden habe ich aber im Prinzip nur Edward, den Vampir gesehen, dafür aber in unterschiedlich designter Bekleidung. Soviel zur *Wandlungsfähigkeit* des Herrn Pattinson. Was sagt uns das wohl…?

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