Robert Redford: Geradliniges Suspense-Drama in Venedig

Die Message ist simpel: Die großen Fische der Wall Street werden durch die Krise noch reicher, als sie ohnehin schon sind, die Durchschnittsbevölkerung wird darunter leiden, die Republikaner hätten es in ihrer Wahlkampfstrategie bloß auf jenes eine Prozent der US-Bürger abgesehen, die man gemeinhin die „Superreichen“ nennt, und Obama ist der einzige Hoffnungsträger.

„The Company You Keep“, von und mit Robert Redford (Foto: La Biennale di Venezia)

Robert Redford hat sich bei seinem Auftritt in Venedig gewohnt politisch geäußert; der 76-jährige Schauspieler, Regisseur und Sundance-Filmfestival-Gründer, der für seine Fans längst Legendenstatus hat, ist mit einem neuen Film im Gepäck angereist, und, erraten: es handelt sich um ein Polit-Suspense-Drama. Denn Redford lebt dafür, mit seinen Filmen auch relevante Aussagen zum Zustand der Politik zu treffen. „The Company You Keep“, in Venedig außer Konkurrenz gelaufen, befasst sich mit einem wahren Ereignis der US-Geschichte, aber Redford interessiert weniger das Historische an der Buchvorlage von Neil Gordon, sondern die Auswirkung einstiger Ereignisse auf das Heute. In seiner letzten Regiearbeit „Die Lincoln Verschwörung“ (2010) hat er das noch im historischen Gewand versucht, als er zwischen den Zeilen einen Brückenschlag vom 19. Jahrhundert zum Post-9/11-Trauma zog. Jetzt hingegen verhandelt er aus heutiger Sicht lange zurückliegende Ereignisse.

Redford spielt den Anwalt Jim Grant, der von dem jungen Journalisten Ben Shepard (Shia LaBeouf) mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird: Vor 30 Jahren war Grant Mitglied einer bis heute untergetauchten Terrorgruppe, die mit Anschlägen unter anderem gegen den Vietnam-Krieg protestierten. Als Shepard Grants wahre Identität lüftet, wird Grant zum Gejagten und taucht unter. Ein solide inszeniertes und ebenso gespieltes Polit-Drama, das diese wahren Ereignisse rund um das radikale Manifest von „The Weather Underground“ thematisiert. Diese linksextreme Gruppierung ging in den 60er und 70er Jahren in den USA mit Bombenanschlägen gegen Regierungsgebäude vor, auch, um ihren Frust über die Kriegs-(Vietnam-)Politik der Mächtigen abzubauen.

„Für mich war es an der Zeit, diesen Teil unserer Geschichte fürs Kino zu erzählen“, sagte Redford in Venedig. „Aus heutiger Sicht kann man die Ereignisse der radikalen Antikriegs-Protestbewegung als Teil der amerikanischen Geschichte betrachten. Ich konnte mir einen Blick hinter die Kulissen der Geschichte erlauben, und betrachte nun, was jene Menschen, die damals aktiv waren, heute, 30 Jahre später, tun“. Die Protestler von einst haben sich falsche Identitäten zugelegt und lebten jahrzehntelang unentdeckt. „Das hat für mich etwas von ‚Les Misérables‘“, so Redford. „Da ist also jemand, der sich einen neuen Namen gibt, ein neues Leben, Kinder bekommt, aber am Ende weiß er: Er wird bis an sein Lebensende gejagt werden. Mich hat interessiert, wie diese Menschen mit solchem Druck umgehen und ob sie ihre Einstellung zu ihrem damaligen Handeln ändern oder nicht“.

Redford hat „The Company You Keep” als effektarmes, aber suspensegeladenes Drama inszeniert, das mit viel Dialog hantiert, ohne sich jemals zum Sprechstück zu reduzieren. Redfords Regie und auch sein Spiel sind überaus geradlinig, und das ist eine beinahe schon gängige Eigenschaft des anspruchsvolleren US-Unterhaltungskinos: Es will eine Message transportieren, und die soll von jedem verstanden werden. Genauso wie Redfords eindeutige Wahlempfehlung für Obama.
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