MORE THAN HONEY : Kritik und Video-Interview Markus Imhoof

Seit heute ist Markus Imhoofs Doku „More than Honey“ über das Bienensterben und die industrielle Herstellung von Honig in Österreichs Kino zu sehen. Ich sprach mit dem Schweizer Regisseur über den Film, und das Ergebnis gibt es in zweierlei Ausführungen:
Aspekte zum Thema Bienensterben, Landwirtschaft und Ökologie sind in der „Wiener Zeitung“ erschienen, und zwar hier: http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/film/493092_Bestaeubungskuenstler-in-Gefahr.html
Aber ich habe das Interview auch auf Video aufgezeichnet, und in meinem Ausschnitt spricht Imhoof über das Making-of von „More than Honey“:

Wie filmt man eigentlich Bienen?

Das Interview wurde am 7. August 2012 am Rande des Filmfestivals von Locarno im benachbarten Ascona aufgezeichnet.
Im Übrigen ist der Film sehr zu empfehlen: Im Anschluss meine Kritik, die auch am 12.10. in der Wochenzeitung DIE FURCHE (www.furche.at) erschienen ist:
Wenn die Bienen sterben
Die Doku „More than Honey“ von Markus Imhoof befasst sich mit dem rätselhaften Sterben der Honigbienen
Es gibt die künstlerisch wertvollen Dokumentarfilme und es gibt die wichtigen Dokumentarfilme. Das sind jene, die ein Anliegen verfolgen, und die dieses Anliegen meist mit voller Vehemenz propagieren, dabei aber wenig auf Sachlichkeit, sondern vielmehr auf Polemik setzen. „More than Honey“ des Schweizers Markus Imhoof hat ein bisschen was von beiden, allerdings ohne die jeweiligen Schattenseiten breitzutreten. Die Doku erzählt vom globalen, rätselhaften Sterben der fleißigen Honigbienen, das Wissenschaftler seit Jahren beschäftigt; Imhoof fängt die Arbeit der emsigen Insekten mit faszinierenden Aufnahmen, auch innerhalb des Bienenstocks, ein, driftet aber zu keiner Zeit in eine Elegie über die Schönheiten der Natur. Stattdessen fordert er zu einem Umdenkprozess auf: Er konfrontiert sein Publikum mit der von Einstein aufgestellten (durchaus polemischen) These: „Wenn die Bienen sterben, dann sterben vier Jahre später auch die Menschen“. Wenn Blüten nicht mehr bestäubt werden, dann fehlt es den Tieren bald an Nahrung und den Menschen bald an Tieren.
Imhoof hat ein persönliches Interesse an dem Thema: Sein Großvater war Imker, und seine Tochter ist Bienenforschern in Australien. Die Verwandtschaft macht es ihm leicht, tief in die Materie vorzudringen, und doch schafft er mit „More than Honey“ keinen hochwissenschaftlichen Diskurs, sondern einen überaus zugänglichen Film über die drängendsten Umweltprobleme unserer Zeit: Industrielle Landwirtschaft, Massentierhaltung, Monokulturen; Begriffe, die Imhoof in seinem Film gekonnt zuspitzt, indem er etwa auf eine riesige Mandelbaum-Farm in Kalifornien geht, wo Bienenstöcke unter den Millionen Bäumen platziert werden, um die Bestäubung zu erledigen, wo des nachts aber auch Tonnen an Chemikalien gegen Schädlinge gespritzt werden. Die Folge: Es gibt in Europa oder den USA keine Honigbiene mehr, die frei von Antibiotika oder anderen Medikamenten ist.
Das andere Extrem: In China, wo es heute praktisch keine Honigbienen mehr gibt, sind die Betriebe dazu übergegangen, die Blüten der Pflanzen von Hand zu bestäuben, der Beruf „Blütenbestäuber“ bietet schier ungeahnte Arbeitsmöglichkeiten. Und dann besucht er noch die österreichischen Züchter von Bienenköniginnen, die ihre lebendige Ware per Post in die ganze Welt verschicken, je nachdem, wer wo auf dem Globus ein neues Bienenvolk benötigt.
„More than Honey“ ist am Ende ein mit umwerfenden Bildern ausstaffiertes Pamphlet geworden, das eindrücklich vor den Gefahren der industriellen Landwirtschaft warnt. Imhoof will die Menschen dazu animieren, auch das Kleingedruckte auf den Honiggläsern zu lesen, auf denen immer öfter steht: „Honig aus verschiedenen EU- und Nicht-EU-Ländern“. Dieser von Pollen und darob jeder Herkunft gereinigte Billighonig ist dann vielleicht bald kein Verkaufshit mehr. Die Bienen wären sicher dankbar dafür.
(c) Die Furche/Matthias Greuling

TOP ****

MORE THAN HONEY, CH/Ö 2012. Regie: Markus Imhoof. Dokumentarfilm. Ab 12.10. im Kino
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s