Skyfall: Bond geht zurück zum Ursprung

Ein neuer James-Bond-Film kann und will nicht für sich allein rezipiert werden, zu angestrengt wirken die Maßnahmen der Bond-Rechteinhaber, auf der Klaviatur des Mythos immer rauf und runter zu spielen, bis wirklich jeder die Melodie kennt. Bond 23, auch „Skyfall“ genannt, macht da keine Ausnahme. So vollgestopft mit Anleihen an die „gute, alte Zeit“ der Bond-Filme, als es noch skurrile Gegenspieler gab, wirkliche Bedrohungen und Miss Moneypenny.
James Bond, mit London unter sich: Daniel Craig in „Skyfall“. Foto: Sony Pictures
„Skyfall“ ist der eigentliche Neustart der Bond-Reihe, der 2006 mit „Casino Royale“ begann: Daniel Craig ist zum dritten Mal als Killer im Maßanzug unterwegs, und erstmals hat er die Rolle vollständig verinnerlicht, es gibt gar keinen Zweifel mehr an seiner Bond-Schaft.
Aber die Umstände für ihn ändern sich: Die Ära von MI6-Chefin M (Judi Dench) neigt sich dem Ende zu, weil sie sich mit Vorwürfen zu ihrer Amtsführung konfrontiert sieht. Gleich zu Beginn des Films inszeniert Regisseur Sam Mendes eine rasante Actionsequenz auf einem Bazar in Istanbul und einen chaotischen Kampf auf einem fahrenden Zug. Später kommt noch eine Hetzjagd durch die Londoner U-Bahn hinzu, all das als Action-Köder für die im Kino so wichtige junge Zielgruppe. Dazwischen aber wird Bond beinahe getötet, kämpft sich dann zurück in den Job, nur um am Ende mit der eigenen Kindheit konfrontiert zu sein, hoch droben im schottischen Anwesen „Skyfall“, wo er einst aufwuchs.
Als Antrieb für all das dient eine gestohlene Festplatte mit den Daten der MI6-Agenten, und dieser MacGuffin treibt Bond bald in die Arme des auf Rache sinnenden Ex-Agenten Silva (Javier Bardem), der ihn in sadistisch-homoerotischer Manier umgarnt. Bardem ist das Glanzstück dieses Films, in dem es, von einem schillernden Casino in Macau abgesehen, kaum andere Absurditäten gibt.
„Skyfall“ zeigt sich über weite Strecken lieber düster und nachdenklich; Bond tingelt förmlich von Loyalitäts-Bedenken zu Karrieremüdigkeit und zurück, säuft dabei viel Whisky, legt viele Gegner um und ein paar Frauen flach.
Daneben wird der Bond-Mythos gepflegt, passend zum 50. Geburtstag der Filmreihe: Monty Normans Bond-Thema erklingt in bester 60er-Jahre-Tonmischung; Adele trällert den Titelsong „Skyfall“ in Shriley-Bassey-Manier; Bond fährt mit Connerys altem Aston Martin; und am Ende sitzt im Vorzimmer zum Chef doch tatsächlich wieder eine Miss Moneypenny. Zurück zum Ursprung. Aber ist das ein Rückschritt in die Rollenbilder aus der Steinzeit? Mitnichten: James Bond hat sich davon niemals wirklich entfernt. – Matthias Greuling

TOP/FLOP

Skyfall, GB/USA 2012
Regie: Sam Mendes. Mit Daniel Craig, Javier Bardem, Judi Dench, Ralph Fiennes

Dieser Beitrag ist zuerst in der Wiener Zeitung erschienen.

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