Crossing Europe Linz 2013 : Wachsen in der Nische

Was die Viennale als Best-of des Weltkinos ist, was die Diagonale in Graz für das heimische Filmschaffen leistet, das ist Crossing Europe in Linz für das junge europäische Kino. Das dritte große heimische Filmfestival eröffnet heute, Dienstag, seine Pforten zur Jubiläumsausgabe, die bis 28. April dauert: Seit zehn Jahren programmiert nunmehr Christine Dollhofer diese feine Zusammenstellung europäischen Kunstkinos aus allen Winkeln des Kontinents. Es sind Filme, die man im regulären Kinobetrieb niemals oder nur selten zu sehen bekommt.
In dieser Nische hat sich Crossing Europe über die Jahre eine treue Fangemeinde aufgebaut und genießt einen hervorragenden Ruf – auch in der internationalen Festivalszene.
„Made in Poland“ von Tribute-Gast Przemyslaw Wojcieszek. Foto: Crossing Europe
Dollhofer, die vor Crossing Europe die Diagonale in Graz leitete, muss im Jubeljahr aber auch mit Einschnitten kämpfen: Zwar stehen das Land Oberösterreich und die Stadt Linz hinter der ambitionierten Kulturinstitution, aber der Wegfall eines Hauptsponsors und einiger Sachsponsoren zwangen Dollhofer, den Gürtel enger zu schnallen. Sie sieht es freilich positiv: „In Zeiten knapp werdender Mittel im Kulturbereich bin ich sehr stolz, dass wir es geschafft haben, zehn Jahre lang sehr erfolgreich und mit stetig wachsenden Besucherzahlen ein autonomes, internationales Festival zu veranstalten“, so Dollhofer. An einen Ausbau der Aktivitäten ist allerdings nicht zu denken, man müsse froh sein, das Niveau zu halten: „Es gibt von allen Hauptfördergebern ein klares Bekenntnis zu ‚Crossing Europe’“, sagt Dollhofer. „Mir ist wichtig, das Festival langfristig zu stabilisieren und seinen besonderen Charakter zu bewahren.“
Daher steckt das Team seine Energie vor allem in inhaltliche Arbeit: Neben zahlreichen Filmen, die das Festival bei den großen Filmschauen in Cannes, Locarno, Venedig und Berlin einsammelt, gab es heuer mehr als 750 Filmeinreichungen. Dollhofer hat aus dem Angebot insgesamt 162 Filme aus 40 Ländern ausgewählt. Die handverlesenen Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme sollen das zeitgenössische und gesellschaftspolitische Autorenkino aus Europa repräsentieren. „Aus etwa 1000 gesehenen Filmen versuche ich eine selektierte Mischung zu formen. Wir bemühen uns stets um Österreich-Premieren. Einen Strich durch die Wunschfilmliste macht uns aber manchmal die Verfügbarkeit der Filmrechte“, sagt Dollhofer.
Im Wettbewerb des Festivals treten neun neue Spielfilme aus Europa gegeneinander an, die meisten Regisseure sind hier bestenfalls Branchenkennern bekannt. Das ist eine der Funktionen dieser Filmschau: Dem Publikum bislang unbekannte Gesichter und Stimmen zu präsentieren. Dennoch kommt man um einige „Festivalhits“ nicht herum: So stehen unter anderem mit „Everyday“ von Michael Winterbottom, „Layla Fourie“ von Pia Marais, „Winterdieb“ von Ursula Meier, „Reality“ von Matteo Garrone oder „In the Fog“ von Sergei Loznitsa etliche Filme auf dem Programm, die bereits  in Cannes, Venedig oder Berlin für Aufsehen sorgten. Dennoch gehört Crossing Europe über wiegend dem Nischenkino: Dieses Jahr wird etwa dem polnischen Regisseur Przemyslaw Wojcieszek ein Tribute gewidmet. Das Programm „Randlagen“ zeigt Filme über Orte, die aufgrund der Globalisierung ausgedünnt und verlassen scheinen. In „Arbeitswelten“ zirkeln neue Arbeiten um die existenziellen Probleme einer von Krise und Arbeitslosigkeit gepeinigten europäischen Gesellschaft. Und das Programm „Local Artists“ ist vor allem für die Region von großem Wert: Hier werden die Arbeiten junger Filmschaffender aus Oberösterreich vorgestellt.
– Matthias Greuling
Mehr Infos zum Festival: www.crossingeurope.at
Dieser Beitrag ist zuerst in der Wiener Zeitung erschienen.
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