Lauter Untiefen: Hai-Alarm am Müggelsee

FLOP

Man beginnt Filme ja gerne mit Bildern, die das ganze Drama und die ganze Komik des Nachfolgenden schon auf den ersten Blick begreifbar machen: Der Bademeister des Strandbades am Berliner Müggelsee geht ins Wasser und taucht seine beiden Arme unter. Als er sie aus dem Wasser hebt, fehlt rechts die Hand. Dafür spritzt Blut heraus. Stoisch sagt er: „Wat isn dette?“
„Hai-Alarm am Müggelsee“ von Leander Haußmann. Foto: Filmladen
Leander Haußmann („Sonnenallee“) hat am Müggelsee den Hai-Alarm ausgerufen, und zelebriert im Folgenden die Mechanismen gemeindepolitischer Untiefen. Es ist eine dieser Gemeinden, wo fast alle Leute Müller heißen. Da gibt es einen Bürgermeister (Henry Hübchen), der ob der bevorstehenden Panik um seine Wiederwahl fürchtet; einen Wissenschaftler (Tom Schilling), dessen Erklärungen niemand Gehör schenkt; eine Stadtmarketing-Tussi (Anna-Maria Hirsch), die im Hai-Alarm die Chance für den darbenden Ortsteil Friedrichshagen sieht; den schleimigen Schwimmbad-Besitzer (Benno Fürmann), der um seinen Umsatz bangt; und nicht zuletzt den aus Hawaii in seine Heimat zurückgekehrten Hai-Jäger (Uwe Dag Berlin), der die Frage klärt: Wie kam der Hai aus Kuba in den Müggelsee?
Bei Leander Haußmann und seinem Autor Sven Regener feiert das Lokalkolorit fröhliche Urständ; in einer Mischung aus Ost-Insider-Schmäh und trockenem Brachialhumor begründen sie das Genre des „Alarm-Films“, nach ihren Aussagen eine „Verschmelzung des Katastrophen- und Actionfilms mit dem Bürokratiedrama“. Abgesehen davon, dass der Humor stark lokal geprägt ist und daher in Österreich nicht lückenlos funktioniert, wirkt die Satire über das strunz-stupide Gebaren von Gemeindepolitik zwar in Ansätzen treffend, wird jedoch nicht auserzählt. Viele Gags, die dem Film mehr raffinierte Subversion gegeben hätten, lässt Haußmann hier zugunsten seiner Hai-Panik liegen.
Immerhin das allererste Bild mit dem Bademeister und seiner Hand, das funktioniert auch bei uns. Man braucht sich dazu nur kurz den Neusiedlersee vorzustellen.
Matthias Greuling
Komödie
Hai-Alarm am Müggelsee, D 2013 – ab 3.5. im Kino
Regie: Leander Haußmann. Mit Michael Gwisdek, Henry Hübchen, Benno Fürmann, Tom Schilling, Anna-Maria Hirsch
Dieser Beitrag erschien zuerst in der „Wiener Zeitung“
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