STAR TREK INTO DARKNESS: Warum J.J. Abrams der richtige Mann für STAR WARS ist

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Am 25. Mai 1977 begann im Hollywood-Kino eine neue Zeitrechnung: An diesem Tag lief „Star Wars“ in den US-Kinos an und machte alles um sich herum dem Erdboden gleich. Es war wie so oft in der Filmgeschichte: „Star Wars“ war natürlich keineswegs die erste Beschäftigung Hollywoods mit dem Science-Fiction-Genre, aber er hat die Uhren auf Null gestellt. Alles andere sah dagegen ziemlich alt aus.
George Lucas hat die Rechte an seinem Lebenswerk „Star Wars“ an Disney verhökert, und dort plant man mit den Episoden VII bis IX drei neue Filme. Der Sternenkrieg unter der Disney-Flagge? Ein Sakrileg? Möglich. Der Erscheinungstermin von Episode VII steht jedenfalls fest: 2015 wird die Franchise „rebootet“, wie das heute so schön heißt. Auf Deutsch: Man wärmt alte Erfolgsrezepte auf.
Zachary Quinto und Chris Pine in „Star Trek Into Darkness“. Foto: Paramount
J.J. Abrams ist ein Mann, der das besonders gut kann, und das ist nicht ironisch gemeint. Der 46-jährige Regisseur hat in den letzten Jahren eine rasante Karriere vorgelegt: Er schrieb die Drehbücher zur Jim Belushi-Komödie „Taking Care of Business“ oder zu Mel Gibsons „Forever Young“. Er war Autor und Co-Erfinder von TV-Serien wie „Felicity“, „Alias“ und vor allem „Lost“. Er drehte als Regisseur Filme wie „Mission: Impossible 3“, „Super-8“ und „Star Trek“. Gene Roddenberrys Sternen-Universum hat Abrams 2008 mit seinem rasanten, unterhaltsamen, referenzlastigen und actionreichen Zugang neue Popularität angedeihen lassen, indem er die Ur-Crew nachbesetzte und in aller Ernsthaftigkeit durchs All jagte, als wären Spock, Kirk und Co. niemals weg gewesen während der unzähligen öden TV-Aufgüsse mit den farblosen Nachfolge-Crews der 90er. Leonard Nimoy und William Shatner sind in der famosen Nachbesetzung durch Zachary Quinto und Chris Pine endlich auch ins rechte Licht gerückt: Die Figur ist die Ikone, nicht ihr Darsteller. Ein Reboot, wie er im Buche steht.
„Star Trek: Into Darkness“ (ab 9. Mai im Kino) heißt nun Abrams zweiter Film aus der Franchise, und wieder ist dieser vollgestopft mit Referenzen, behutsam modernisiert und in einem unglaublichen Tempo montiert zu einer galaktischen Nummernrevue im Outer Space. Getragen von einer scheinbaren Mühelosigkeit in der Inszenierung, als hätte Abrams das alles en passant erledigt.

Mentor Steven Spielberg

1977, als „Star Wars“ herauskam, war Jeffrey Jacob Abrams gerade elf Jahre alt. Er drehte damals schon kurze Thriller mit einer Super-8-Kamera, die ihm sein Großvater geschenkt hatte. In den Filmen ließ er seine Schwester Tracy, heute Drehbuchautorin, mehrere filmreife Tode sterben. Abrams Vater Gerry war Produzent von über 100 TV-Movies, und Sohn J.J. verbrachte seine Kindheit fast ausschließlich auf Filmsets. Er interessierte sich vor allem für die Leute hinter den Kulissen, die Filme technisch ermöglichten. Einer seiner Super-8-Kurzfilme, den er mit Matt Reeves drehte, mit dem er bis heute arbeitet, schaffte es auf ein Kurzfilmfestival. Ein Artikel darüber erweckte Steven Spielbergs Interesse: Der suchte damals gerade jemanden, der seine eigenen Super-8-Aufnahmen aus der Jugend schneiden konnte. Abrams und Reeves bekamen den Job.
Mit „Super-8“ hat Abrams 2011 Spielbergs und seine Vorliebe für das Schmalfilmformat zu einem Film verdichtet: Ein kleiner Bub filmt Aliens mit seiner Super-8-Kamera; alles erinnerte an Spielbergs „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“, Spielberg produzierte den Film und ermöglichte so das Abbild seines eigenen Bubentraums. Ein Traum, den J.J. einst gelebt hat.
Dem früheren Mentor Spielberg stand Abrams da längst auf Augenhöhe gegenüber; Blockbuster-Visionäre wie Spielberg und Lucas sind rar (und alt) geworden, Abrams beerbt sie nun beide in Personalunion, da weit und breit niemand in Sicht ist, der ähnliche erzählerische Fingerfertigkeit besitzt: Abrams, der Geschichtenerzähler, ist mehr als ein Spektakelmeister, mehr als ein König der Spezialeffekte. Er fühlt sich dem Prinzip eines im Grunde recht altmodischen Zugangs verpflichtet: Spektakel ist die halbe Miete, denn ohne Figuren ist alles nichts. Abrams laviert sich mit Leichtigkeit durch die Figurenzeichnung, etwas, das er durch Schreibroutine bei seiner TV-Arbeit gelernt hat. Film ist Charakter plus Story, nicht Effekt plus Explosion.

Konflikte mit der Menschlichkeit

Schön arbeitet er das auch in „Star Trek: Into Darkness“ heraus, weil der Konflikt zwischen James T. Kirks menschlichen Emotionen und der nüchternen Sachlichkeit des Vulkaniers Spock genau jenes Spannungsfeld umreißt, das Abrams für sein emotionales Kracher-Kino braucht.
Zudem ist Abrams ein Nostalgiker, weshalb er so gut mit den Erwartungshaltungen der Zuschauer spielen kann: Seine geschickten Anleihen an die Ur-Serie der Enterprise erweitern das Publikum bis hin zu jenen, die „Star Trek“ früher liebten. Unkonventionell ist auch, dass Abrams „Star Trek: Into Darkness“ teilweise auf 65mm-Filmmaterial drehte. Es ist die Liebe zum Film als Material und zu seiner Textur, die den Nostalgiker antreibt.
Abrams hat Respekt vor dem Mythos, der „Star Trek“ umgibt, aber er lässt sich davon nicht einschüchtern. Er hantiert mit der Story und vor allem mit den legendären Figuren, als wären sie neue Erfindungen und stünden in keinerlei popkulturellem Kontext. Genau das bringt ihnen die nötige Frische; seine Reboots sind nicht bloß alte Geschichten in neuem Gewand. Sondern sie tun so, als hätte es vor ihnen nichts Vergleichbares gegeben. Genau wie damals „Star Wars“. Und genau deshalb glauben die Studiobosse bei Disney, dass J.J. Abrams der einzig richtige Regisseur für diese Neuauflage ist. Sie könnten Recht haben.
Matthias Greuling
„Star Trek – Into Darkness“ startet am 9. Mai in den österreichischen Kinos.
Dieser Beitrag ist zuerst in der „Wiener Zeitung“ erschienen.
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