Sorrentino und der Niedergang der Schönheit

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Es beginnt mit einem opulenten Schwelgen in Bildern der ewigen Stadt: Rom ist ein Hauptdarsteller in Paolo Sorrentinos neuem Film „La grande bellezza“. Die Kamera schwebt durch die ganze Schönheit der Prachtbauten, zeigt Totalen aus Perspektiven, die man nicht einmal im teuersten Tourismus-Werbespot zu sehen bekommt. Danach: Eine Party auf einer römischen Dachterrasse; hunderte Gäste, gute Laune, laute Dance-Musik, ein Gelage der Freude, der Lust sowieso. Kaum jemand hat bisher eine Partyszene so wirkungsvoll inszeniert wie Sorrentino.
„La grande bellezza“ von Paolo Sorrentino. Foto: Filmladen
Wozu dieses Schwelgen? Sorrentino lässt einen alternden Schriftsteller namens Gambardella (Toni Servillo) durch die Szenerie schreiten – er ist der rote Faden, anhand dessen der Regisseur von Reichtum und Schönheit erzählt, aber auch von Dekadenz und Niedergang. Eine philosophische, wortlastige Abhandlung über das Italien von Heute ist das geworden, in der die wunderbaren Bilder genau das repräsentieren, wie man dieses Land im Allgemeinen wahrnimmt: Außen schön, innen hohl. Ein Klischee, ja, aber irgendwas ist da schon dran.
Gambardella war einst ein viel versprechender Autor gewesen, er hat einen großen Roman geschrieben, als er jung war. Aber eben nur einen, seither ist nichts Bedeutsames mehr nachgekommen. So ist er heute der reflektierende Betrachter einer Gesellschaft , in der die Schönheit mehr zählt als die Wahrheit. Gambardella ist eine traurige Gestalt: Er weiß, dass nicht nur er selbst gescheitert ist am Leben, sondern auch die Gesellschaft um ihn herum – das Bürgertum, der Adel, der Klerus, die Politik sowieso.
Inmitten dieses prächtigen Streifzuges durch Schönheit und Niedergang wirkt „La grande bellezza“ vor allem wie eine Hommage an große Vorbilder des Regisseurs: Inhaltlich spinnt Sorrentino zarte Fäden zu den Werken Viscontis, optisch wandelt er allzu offensichtlich auf den Spuren von Federico Fellini. „La grande bellezza“ wirkt zuweilen wie eine Fortschreibung von „La dolce vita“ oder „Fellinis Roma“, und doch wirkt bei Sorrentino alles ein wenig schwermütiger und angestrengter. Er doziert nicht über die Schönheit allein, sondern vor allem über ihre Vergänglichkeit.
Matthias Greuling
LA GRANDE BELLEZZA
I 2013. Regie: Paolo Sorrentino. Mit Toni Servillo, Carlo Verdone
Ab 26. Juli 2013 im Kino.
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