Die Möbius-Affäre: Wirres Spionage-Puzzle

TOP/FLOP
„Ich habe Ihnen nicht gesagt, dass sie zwischen ihren Beinen schnüffeln sollen“. Die Abmahnung des russischen Geheimdienst-Chefs an seinen Top-Spion Gregory (Jean Dujardin) könnte auch aus einem James-Bond-Film stammen. Allerdings meint dieser Mann es ernst, während bei 007 immer auch ein Quäntchen Humor und Zynismus mitschwingt. Gregorys Antwort ist jedenfalls schlagfertig: „Wie sonst hätte ich mehr über sie herausfinden sollen?“
Jean Dujardin und Cécile de France. Foto: Filmladen
Auch, wenn so mancher Dialog aus „Die Möbius-Affäre“ des französischen Drehbuchautors und Regisseurs Eric Rochant schwer klischeebelastet klingen mag – der Film selbst ist es nicht. Er operiert zwar mit den gängigen Genremustern, setzt sich über sie aber mit einer gewissen Eleganz hinweg – was auch am noblen Setting Monte Carlos liegen mag. Stein des Anstoßes ist eine Affäre, die Gregory mit der Finanzexpertin Alice (Cécile de France) beginnt. Alice wurde vom russischen Geheimdienst FSB damit betraut, sich dem Oligarchen Ivan Rostovsky (Tim Roth) anzunähern; dass sie bei der erstbesten Gelegenheit mit ihrem Arbeitgeber ins Bett geht, war so nicht vorgesehen. Alice ahnt nicht, welche Kreise ihre Liaison mit Gregory zieht. Wie so manche Figur in diesem Verwirrspiel nicht ahnt, wer hier eigentlich wen beschattet. Gregory gerät bald in Bedrängnis, denn der FSB ist hinter dem neuen Lover von Alice her, ohne zu ahnen, dass der aus den eigenen Reihen kommt.
Als Überthema erwählte sich Rochant ein komplexes Gemisch aus den Verquickungen von Finanzwelt, von Banken, Börsen, Mafia und Geheimdiensten. In modernen Spionage-Filmen ist der Feind längst nicht mehr so ohne weiteres dingfest zu machen; früher, in der Zeit des Kalten Krieges, waren die Rollen klarer verteilt, heute steckt hinter dem russischen Spion vielleicht ein französischer, hinter dem Ami vielleicht ein Mafioso, und am Ende werden alle von der selben Macht gelenkt, ohne es zu wissen.
Rochants Thriller kommt von Beginn an nur schwer in Gang, er nimmt sich (zu) viel Zeit für die Exposition der Geschichte, die man trotzdem nicht durchschaut. Erst spät entwickelt „Die Möbius-Affäre“ eine nur langsam anziehende Spannung, die weniger aus der Mission der Beteiligen entsteht, als vielmehr aus der sinnlich-erotischen Inszenierung der Liebesgeschichte zwischen Alice und Gregory.
„Die Möbius-Affäre“ als klassischen französischen Thriller der alten Schule zu bezeichnen, wie das in der Werbung für den Film geschieht, zielt daneben. Dazu ist Rochant zu wenig raffiniert in der Anordnung seines wirren Geheimdienst-Puzzlespiels. Auch Lichtsetzung und Dekor entsprechen eher dem gängigen US-Mainstream als den oft blechern, aber authentisch wirkenden Settings des französischen Pendants der 70er und 80er Jahre. Die Darsteller sind allesamt glänzend besetzt, ihre Figuren aber haben zu wenig Substanz. Tiefe und Charakter wären ohnehin kontraproduktiv für ein Genre, in dem niemand über den anderen die eigentliche Wahrheit kennen soll. Zumindest dieses Gefühl der Ratlosigkeit über die Figuren und ihre Funktionen transportiert „Die Möbius-Affäre“ perfekt – zum Nachteil des nach Antworten suchenden Zuschauers.

Matthias Greuling
DIE MÖBIUS AFFÄRE – ab 9.8. 2013 im Kino
F/B/LUX 2013. Regie: Eric Rochant. Mit Jean Dujardin, Cécile de France, Tim Roth
Dieser Beitrag ist auch in „Die Furche“ erschienen.
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