"Bottled Life": Welchen Preis das Wasser hat

„Bottled Life“ (Foto: Thimfilm)
In den heimischen Kaffeehäusern gibt es die Diskussion, ob das Glaserl Wasser zum kleinen Braunen gratis bleiben soll oder extra kostet. Das ist – gelinde gesagt – eine typisch österreichische Debatte und hat einen gewissen Unterhaltungswert. Und doch ist sie symptomatisch für eine Entwicklung, die weltweit für große Aufregung sorgt: Wasser ist nicht das Menschenrecht, das es sein sollte, denn Wasser ist längst zur profitablen Ware geworden. Profitabler sogar als der Drogenhandel.
Der Schweizer Urs Schnell hat diesen Gedanken aufgegriffen und mit „Bottled Life – Das Geschäft mit dem Wasser“ eine Dokumentation gedreht, die dazu allerlei Thesen versammelt: Stilles Mineralwasser ist oft qualitativ schlechter als Leitungswasser; der Plastikmüll, verursacht durch unseren steigenden Wasserkonsum, verschmutzt Seen, Flüsse, Meere. Menschen in den Entwicklungsländern haben kaum Zugang zu sauberem Trinkwasser, und wenn, dann ist dieser limitiert, kontrolliert oder monopolisiert.
Schnell hat seinen Fokus auf einen der größten Wasser-Verkäufer des Globus gelegt: Der Schweizer Konzern Nestlé ist ein „Big Player“ auf dem Wassermarkt und kauft seit Jahren Grundstücke, auf denen Bohrungen zu kommerziellen Zwecken durchgeführt werden. Ganze Landstriche in den USA gehören mittlerweile zum Nestlé-Konzern, der dort eine der populärsten Wassermarken gekauft hat: Poland Spring. Im US-Bundesstaat Maine werden dafür immer mehr Quellen angezapft, die Lkw fahren im Minutentakt hunderte Kilometer quer durch Maine zur Abfüllstation. Einen ökologischen Wahnsinn nennen das die Anrainer, aber Nestlé beharrt auf seinem Geschäftsmodell. Der Konzern ist mit „Nestlé Pure Life“ in Ländern wie Pakistan oder Nigeria mit einer eigenen Wassermarke vertreten, die nach Nestlé-Diktion dafür sorgen soll, die dortige Bevölkerung mit sauberem Wasser zu versorgen.
Die Wahrheit ist: Eine Flasche dieses Wassers kostet fast so viel wie ein durchschnittlicher Tageslohn. „Pure Life“ ist für Nestlé „eine profitable Marke. Pure Life ist ein Juwel in unserem Portfolio“, sagt John Harris, der Präsident von Nestlé Waters. Und Konzern-Zampano Peter Brabeck gibt ganz klar die Richtung an: „Wasser braucht einen Preis“. „Bottled Life“ profitiert vom Boom der Dokumentarfilme, die sich mit ernsten Umweltanliegen auseinandersetzen. Ob nun vom Wasser, von den Bienen, von der Ernährung oder der Bildung die Rede ist: Grundsatz-Debatten über den falschen Umgang mit Ressourcen sind in filmischer Form immer auch polemisch; „Bottled Life“ hält sich in dieser Hinsicht angenehm zurück, dennoch ist auch dieser Film mehr Pamphlet für eine gute Sache denn faktenorientiertes Recherchekino – was dem Unterhaltungswert geschuldet ist. Zum Kinobesuch gehört Unterhaltung nämlich genauso dazu wie zum kleinen Braunen das Wasserglas.
Matthias Greuling
Bottled Life – Das Geschäft mit dem Wasser – ab 25.10. im Kino
CH/D 2012. Regie: Urs Schnell
Dieser Beitrag ist auch in „Wiener Zeitung“ erschienen.
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