VIENNALE: Die Highlights des Wochenendes – von NEBRASKA bis DER LETZTE DER UNGERECHTEN

„Der letzte der Ungerechten“ (Foto: Viennale)

Die spannendsten Filme des ersten Viennale-Wochenendes im Überblick


DER LETZTE DER UNGERECHTEN
Regie: Claude Lanzmann
Bei der Arbeit an „Shoah“ in den 1970er Jahren hat Claude Lanzmann ein langes Gespräch mit dem Wiener Rabbiner Benjamin Murmelstein (1905-1989) geführt. Im Zentrum stand Murmelsteins ambivalente Rolle als hochrangiger jüdischer Funktionär der von Eichmann kontrollierten Israelitischen Kultusgemeinde Wien in der NS-Zeit und als „Judenältester“ des Ghettos Theresienstadt. Dieses bislang unveröffentlichte Filmdokument wird von Lanzmann in den Kontext der Gegenwart gestellt; ein wichtiger Dokumentarfilm, auch für Viennale-Chef Hans Hurch: „Es ist ein großes Essay über einen widersprüchlichen, zutiefst beeindruckenden Menschen. Ursprünglich war das Material für Lanzmanns ,Shoa‘ gedacht, aber es hätte den Rahmen dieses Films gesprengt. Für mich ist ,Der Letzte der Ungerechten‘ die große, bedeutende Dokumentation des Jahres.“
Mit einer Spieldauer von 220 Minuten ist „Le Dernier des injustes“ (so lautet der französische Originaltitel) auch ein sehr langer Film – aber das passt zur Viennale 2013. Hurch: „Die Höhepunkte des Festivals dauern heuer sehr lang“.
Termine: 27.10., 17.00, Gartenbau, 28.10., 11.00, Gartenbau
 
NEBRASKA
Regie: Alexander Payne
Rentner Woody (hervorragend: Bruce Dern) hat ein Schreiben erhalten, in dem ihm verkündet wird, dass er eine Million Dollar gewonnen hat. Weil Bruce niemandem traut, beschließt er, sich das Geld höchstpersönlich abzuholen. Er macht sich zu Fuß auf den Weg – von Montana nach Nebraska. Bruce besitzt nämlich keinen Führerschein mehr, und seine Ehefrau Kate (June Squipp) will ihn auch nicht fahren. Woodys Sohn David (Will Forte) will dem Vater den Fußmarsch ausreden, doch der lässt sich nicht beirren.
Alexander Paynes schwarzweiß gedrehte Komödie steckt voller Tiefgründigkeiten. Er entwirft das durchwegs melancholische Bild eines alten Mannes, der zeitlebens ausgenutzt wurde und nun erneut kurz davor steht, enttäuscht zu werden. Payne geht es hauptsächlich nicht um Geld und Reichtum, sondern um eine Vater-Sohn-Beziehung.
Termine: 25.10., 20.30, Gartenbau, 5.11., 11.00, Gartenbau

THE DIRTIES
Regie: Matt Johnson

Für die beiden Highschool-Schüler Matt und Owen liegen alle Hoffnungen in ihrem neuesten Spielfilm „The Dirties“. Matt hofft, ein großer Regisseur zu werden, und Owen ist sein treuer Mitarbeiter. Doch die beiden sehen sich dem Spott ihrer Mitschüler ausgesetzt, die keine Gelegenheit auslassen, sie zu demütigen. Matt Johnsons Erstlingsfilm ist ein Plädoyer für die Kraft des Kinos und zeigt, dass Filme überlebenswichtig sein können.
Termine: 26.10., 20.30, Kino am Schwarzenbergplatz, 29.10., 13.00, Gartenbau


BAMBI
Regie: Sébastien Lifshitz

Bambi wurde 1935 in einem kleinen algerischen Dorf unter dem Namen Jean-Pierre Pruvot geboren. Sie wusste: Sie wollte irgendwann die Frau werden, die sie innerlich schon immer war. Eine  Vorstellung des berühmten Cabarets Carrousel de Paris in Algier ermutigte sie in den 50ern, nach Paris zu ziehen und dort auf den Varieté-Bühnen unter dem Künstlernamen „Bambi“ das Leben zu führen, das sie sich wünschte. Jean-Pierre heißt seitdem Marie-Pierre, ist heute 77 Jahre alt.  Regisseur Sébastien Lifshitz erzählt die Geschichte dieses Schicksals in seiner Doku „Bambi“ nach. Es geht um Zurückweisung, Unverständnis und Mut. Archivbilder und Fotos mischen sich mit glamourösen Auftritten auf der Bühne und im Film, dazu gesellen sich seltene private Aufnahmen. Lifshitz schildert auch den Wandel von Bambi zu einer transsexuellen Frau, die mit Hormonen experimentiert, um das zu sein, was sie sich erträumte. Und: Der Film zeigt auch die emotionale Begegnung Bambis mit ihrer großen Liebe.
Termine: 25.10., 18.30, Urania, 26.10., 23.00, Kino am Schwarzenbergplatz

E agora? lemb ra-me
Regie: Joaquim Pinto

Der Dokumentarfilm des portugiesischen Regisseurs Joaquim Pinto, geboren 1957, wurde in Locarno uraufgeführt. Mit dem autobiografischen Werk schuf Pinto, der seit 20 Jahren mit HIV und Hepatitis C infiziert ist, ein filmisches Tagebuch über seine Teilnahme an einer klinischen Studie mit toxischen, bewusstseinsverändernden Medikamenten. Dabei reflektiert er über die Zeit und seine Erinnerungen. Die Medizin, die er in seinen Körper bringt, nimmt immensen Einfluss auf diesen, wie auch auf seine Psyche. Die gravierendste Nebenwirkung beschreibt Pinto als eine Trägheit: Der Körper setzt nicht mehr automatisch die Signale aus dem Kopf um. Ein bedrückender Film, über unsere Welt und ein düsteres Tagebuch menschlichen Leids.
Termine: 26.10., 21.00, Urania, 27.10., 10.00, Metro

Matthias Greuling

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