Von Garrel bis Farhadi: Die VIENNALE-Höhepunkte für die zweite Festivalwoche

„La jalousie“ (Foto: Viennale)

LA JALOUSIE
Regie: Philippe Garrel
Der für seine spröden Filme bekannte Philippe Garrel zeigt mit „La jalousie“ (Die Eifersucht) einen Film voller Anmut, voller neuer Ideen, oder zumindest voller dramaturgischer Reife. „La jalousie“ ist ein zwar kurzes, aber famoses Schwarz-weiß-Abstrakt über das (Miss-)Trauen in der Liebe, das ebenso unspröde wie geerdet daherkommt: Garrels Sohn Louis spielt einen Kindsvater, dessen neue Freundin ihn betrügt, auch, weil sie selbst ihrer rasenden Eifersucht ihm gegenüber Luft machen will. Es ist ein französischer Film, wie er im Lehrbuch stehen könnte, mit Beziehungsgesprächen in der Küche, mit langen Einstellungen, mit intensiven Blicken und mit unprätentiösen Pariser Stadtansichten. Und doch fern jeder Konvention: „La jalousie“ erinnert über weite Strecken an die Filme der Nouvelle Vague, nicht an den sich danach daraus gebildeten Stil französischer Beziehungsdramen. Garrel ist visuell und dramaturgisch radikaler, das macht den Reiz dieser großen Arbeit aus.
31.10., 21.00, Gartenbau
4.11., 23.30, Urania

LE PASSÉ 
Regie: Asghar Farhadi
Ahmad (Ali Mosaffa) kehrt nach vier Jahren aus dem Iran nach Paris zurück, um seine Scheidung mit Marie (Bérenice Bejo) zu unterzeichnen. Marie lebt mit ihren beiden Töchtern sowie ihrem neuen Freund Samir (Tahar Rahim) und dessen Sohn in einem gemeinsamen Haus. Samir ist zwar noch verheiratet, aber seine Frau liegt im Koma. Kurz vor der Unterzeichnung der Scheidungspapiere eröffnet Marie Ahmad, dass sie von Samir schwanger ist. Regisseur Asghar Farhadi hat wie schon in „A Separation“ eine Scheidungssituation zum Ausgangspunkt seiner Erzählung gemacht; wieder kreisen seine Figuren um die Fragen nach Wahrheit und Lüge, die einen Keil in ihre zwischenmenschlichen Beziehungen treiben.
1.11., 18.00, Gartenbau
3.11., 13.30, Stadtkino im Künstlerhaus


MICHAEL KOHLHAAS
Regie: Arnaud des Pallières

Frankreich im 16. Jahrhundert: Der Pferdehändler Michael Kohlhaas (Mads Mikkelsen) ist in den Wäldern unterwegs, als er von ein paar Leuten aufgehalten wird, die ihm zum Durchqueren des Landstrichs eines Barons Geld abverlangen. Kohlhaas hat nicht genug dabei und hinterlässt seine Pferde als Pfand. Als er später herausfindet, dass der Baron nicht berechtigt war, Geld zu verlangen, will er die Pferde zurück – und bekommt sie völlig misshandelt übergeben. Arnaud des Pallières hat Heinrich von Kleists Literaturklassiker in düsteren Bildern inszeniert.
1.11., 20.30, Gartenbau
2.11., 11.00, Urania

CAMILLE CLAUDEL 1915
Regie: Bruno Dumont

Die französische Bildhauerin Camille Claudel (Juliette Binoche) fristet 1915 ein trauriges Dasein in der Nervenheilanstalt von Montdevergues in Südfrankreich, wohin sie ihre Mutter und ihr Bruder verbannt haben. Sie leidet unter der ständigen Angst, vergiftet zu werden, und auch die Gedanken an ihren Mentor und Liebhaber Auguste Rodin lindern ihre Situation nicht. Camille beschließt, aus der Anstalt zu verschwinden. Bruno Dumont gibt Juliette Binoche viel Raum, die innere Verzweiflung der Künstlerin auf die Leinwand zu bringen.
5.11., 20.30, Gartenbau
6.11., 11.00, Gartenbau


Matthias Greuling

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