American Hustle: Leer, aber unterhaltsam

Jeremy Renner (Mitte) gibt die beste Performance (Foto: Tobis)
Einem Film wie diesem eilen seltsam große Lorbeeren voraus: Mit zehn Oscarnominierungen wird „American Hustle“ am 2. März in Los Angeles antreten, und seit Monaten räumt er einen wichtigen Preis nach dem anderen ab. Dabei ist David O. Russells Gangsterkomödie (oder besser: mit Kultelementen aufgeladene Retro-Flair-Parade) nicht das Meisterwerk, das viele in ihr sehen.

„American Hustle“ erzählt eine fiktive Variante des realen „Abscam“-Skandals der 70er Jahre: Damals wollte das FBI mithilfe einer List die öffentliche Korruption in den USA eindämmen: Man erfand einen arabischen Geschäftsmann (Abscam steht für „Arab Scam“), der bereit war, viel Geld in eine lokale Community zu investieren, wenn man ihm im Gegenzug Schutz bei seinen dubiosen Geschäften zubilligte. Etliche US-Abgeordnete, Bürgermeister und ein Senator wanderten in den Knast, weil sie der Verlockung nicht widerstehen konnten.

So wie in „American Hustle“ der Bürgermeister Carmine Politio (Jeremy Renner) aus Camden, New Jersey, der seine darbende Region nach vorne bringen will. Er ist ein guter Kerl, der das Beste für seine Bürger will – und fällt deshalb auf Lockvogel Irving Rosenfeld (Christian Bale) herein, der zusammen mit seiner Geliebten Sydney Prosser (Amy Adams) seit langem Kleinanleger mit Kunstfälschungen abzockt, bis er vom FBI gestellt und zwecks Strafminderung zur Kooperation gezwungen wird: Er soll helfen, korrupte Politiker zu überführen, und wenn sie nicht schon korrupt sind, dann muss man sie eben dazu machen.

Regisseur Russell entwirft mit optischer Eleganz und inszenatorischer Raffinesse ein zwischen Drama und Komödie pendelndes Kompendium menschlicher Niederträchtigkeiten rund um Lug und Betrug. Dabei lebt der Film vor allem von seiner Besetzung: Denn sowohl Bale als auch (und vor allem) Adams sind als Gangsterpärchen kultverdächtig und wuseln sich durch die Unwegsamkeiten des Plots, der vor Twists und Turns nur so wimmelt. Auch die Nebenfiguren sind stimmig: Da gibt es den FBI-Agenten Richie DiMaso (Bradley Cooper, siehe mein Interview) oder Rosenfelds dümmlich-aufbrausende Frau Rosalyn (Jennifer Lawrence), oder den Mafioso Victor (Robert DeNiro). Sie alle tragen diesen Film, aber ausgerechnet der, der sich mit „American Hustle“ ein Denkmal setzt, ist nicht für einen Oscar nominiert:  Jeremy Renner spielt mit dem Lokalpolitiker, der in Korruptionsversuchung gerät, alle anderen in diesem Ensemblestück mit fiebriger Intensität an die Wand.

Das Problem, dass dieser zweieinhalbstündige Trip durch die Untiefen amerikanischer Kumpelei hat, entspricht ganz der Art und Weise, wie die „Geschäfte“ seiner Protagonisten damals geplant wurden: Tarnen und Täuschen, jede Menge Tricks und schrille Outfits können letztlich nicht über die Leere hinwegtrösten, die die Geschichte zurücklässt: Es wirkt von diesem Film nichts nach, aber im Moment seiner Projektion beschert er ein wahrhaft grandioses Vergnügen.
Matthias Greuling
AMERICAN HUSTLE – ab 14.2. im Kino
Regie: David O. Russell. Mit Christian Bale, Bradley Cooper, Amy Adams, Robert De Niro, Jeremy Renner
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