Das finstere Tal: Premiere bei der Berlinale

Andreas Prochaska bei der Pressekonferenz in Berlin (Foto: Katharina Sartena)

Der Andrang hielt sich in engen Grenzen: Nur eine Handvoll Journalisten waren zur Pressekonferenz des österreichisch-deutschen Berlinale-Beitrags „Das finstere Tal“ erschienen, nur ein Dutzend Fotografen knipsten die Stars des Films, Sam Riley und Tobias Moretti. „Keine Sorge“, beruhigte der Moderator der Pressekonferenz, „die meisten Leute schauen diese Veranstaltung im Web-Stream. Stellen Sie sich einfach vor, der Saal wäre voll“, sagte er zum doch etwas verdutzten Podium.

Paula Beer (Foto: Katharina Sartena)
Tatsächlich hat ein so geringes Interesse an einem starbesetzten deutschsprachigen Film bei der Berlinale durchaus Seltenheitswert. Im Fall von „Das finstere Tal“ lag das auch daran, dass bei dieser 64. Berlinale so ziemlich alle Events und Feste zugleich an diesen Montag Abend verlegt wurden – ZDF, die österreichischen Filmförderanstalten, aber auch etliche Produktionsfirmen erklärten den Montag zum Party-Tag, und den Journalisten saß wohl noch das anstrengende Wochenende mit George Clooney, Christian Bale, Forest Whitaker, Pierce Brosnan oder Lars von Trier in den Knochen.

Und dann gab es noch dazu harsche Kritik: „Unfreiwillige Lacher“ hätte es gegeben während der Pressevorstellung, berichtet eine Journalistin, „vor allem wegen des Einsatzes vieler Zeitlupen“. In der Buchvorlage von Thomas Willmann habe es viele Ideen gegeben, die ihn zu diesen „Exzessen“ verleitet hätten, konterte Regisseur Andreas Prochaska.

Dass der Erzählduktus von „Das finstere Tal“ durchaus episch und langsam ist, ist dem Genre geschuldet, erklären die Filmemacher. In der Geschichte geht es um einen Fremden (Sam Riley), der irgendwann im 19. Jahrhundert in ein abgelegenes Hochtal kommt, um dort Rache für eine lange vergangene Tat zu üben. Der Western, die „amerikanische Version des Heimatfilms“ (Prochaska), wurde so erstmals in die österreichischen Alpen transferiert.

„Die Gesichter in diesem Film sehen aus wie die Landschaft“, erklärt Tobias Moretti auf dem Podium. „Es ist in der Bildhaftigkeit hingeworfen wie in einer realen Situation. Slow Motion ist ähnlich wie die Reduktion der Sprache. Man will innehalten in einem Bild. Das sehen sie auch in Bildern von Goya oder Egger-Lienz. Das ist ein Stil-Mittel, das mich sehr bewegt“. Für einen Schauspieler wie Moretti war die Arbeit an „Das finstere Tal“ höchst ungewöhnlich. „Man ist gewohnt, sich über das Wort auszudrücken, und plötzlich musst du das Schauen darstellen. Das ist eine ganz andere Art zu Spielen. Deshalb darf man bei diesen Figuren alles sein, nur nicht unsicher“.

Sam Riley und Tobias Moretti (Foto: Katharina Sartena)
Für die Filmcrew gab’s Applaus, doch die eingangs geäußerte Kritik nagte dann doch an Regisseur Prochaska: „Ich habe den Film so gemacht, wie ich ihn für richtig halte“, sagte er. Nachsatz: „Mir gefällt‘s, mehr kann ich dazu nicht sagen. Wer den Film nicht mag, soll sich brausen gehen.“ 
Matthias Greuling, Berlin
(Dieser Beitrag ist auch in der Wiener Zeitung erschienen)

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