Die Bücherdiebin rettet Literatur vor den Flammen der Nazis

Es ist natürlich ein kraftvolles Bild, das den gängigen dramaturgischen Ansprüchen des Klischeekinos genügt, wenn ein junges Mädchen bei den Bücherverbrennungen der Nazis kurzerhand Bücher aus dem Feuer fischt, die es zum Eigenbedarf benötigt – und so gleichzeitig dafür sorgt, dass literarische Meisterwerke vor ihrer Vernichtung gerettet werden. „Die Bücherdiebin“ von Brian Percival erzählt so eine beinahe schon heroische Geschichte, und es ist kein Zufall, dass diese in Deutschland auf Englisch verfilmte Story ein US-amerikanischer Film ist. Dort sind Geschichten mit Deutschland-Bezug in 99 Prozent der Fälle Geschichten über den NS-Staat.

Sophie Nélisse in „Die Bücherdiebin“ (Foto: Fox)

Die neunjährige Liesel (Sophie Nélisse) verschlägt es in den Wirren des Zweiten Weltkrieges nach München zu den Pflegeeltern Hans (Geoffrey Rush) und Rosa Hubermann (Emily Watson). Das Paar hält zudem den jungen Juden Max (Ben Schnetzer) versteckt, der Liesel bald das Lesen beibringt. Sie begreift die Literatur als Eskapismus vor dem grausigen Krieg, doch als ihr der Lesestoff ausgeht, muss sie die Bücher stehlen – wenn es sein muss, eben auch aus den Feuern der Nazis.

Aus dem Jugendbuch des Australiers Markus Zusak hat der britische Fernsehregisseur Percival mit viel bildgestalterischer Opulenz eine Art Hochglanz-Weltkriegsdrama gebastelt. Die berauschend schönen Bilder hat Florian Ballhaus komponiert, der Sohn des großen Kameramanns Michael Ballhaus. Dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, ist in diesem Film stilistisch klar zu erkennen. Dazu gesellt sich ein harmonisch-wummernder Score von John Williams, immer hart am Kitsch.

Die 13-jährige Sophie Nélisse hat Star-Potenzial, und der Nazi-Terror im Film ist auffallend zurückhaltend inszeniert. Schließlich handelt es sich um eine Jugendbuch-Verfilmung, freigegeben ab sechs Jahren, die den Krieg fast ausschließlich aus der Sicht des Mädchens wiedergibt. Doch der Fokus auf die Gestaltung des Films generiert bald auch erzählerische Längen und Leerstellen. Das Konzept, eine lebensbejahende Geschichte vor dem Hintergrund eines Vernichtungskrieges zu erzählen, geht nur bedingt auf: Die Welt ist schön, solange es Bücher gibt – eine idealistische Film-These. Aber mehr gut gemeint als gut.
Matthias Greuling
DIE BÜCHERDIEBIN – AB 13.3. im Kino
USA/D 2014. Regie: Brian Percival. Mit Sophie Nélisse, Geoffrey Rush, Emily Watson

Diese Kritik ist auch in der Wiener Zeitung erschienen.
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