Liam Neeson in "Non-Stop": Spaltungsirr in großer Höhe

Liam Neeson als Air Marshal in „Non-Stop“ (Foto: Constantin/Studio Canal)
Wenn ein Air Marshal Angst vorm Fliegen hat und noch dazu ein Alkohol-Problem, dann kann das nur Liam Neeson spielen. Mit seinen mitleidig-kauzigen Gesichtsausdrücken wäre er eigentlich ideal für Rollen, in denen es um gebrochene Charaktere geht.

Nun ist nicht jeder Action-Thriller mit Neeson zwangsläufig schlecht, aber die Vorfälle häufen sich. Und „Non-Stop“ bildet da keine Ausnahme.

Mit Jack Daniels am Klo

Neeson spielt also den Air Marshall Bill Marks, den Mann mit den beschriebenen Problemen. Ach ja, Raucher ist er auch noch. Was dazu führt, dass er sich im Flugzeug am WC einschließt, den Rauchmelder mit Isolierband verklebt und drauf los qualmt, runtergespült mit seinem Freund Jack Daniels, die Dienstknarre dabei lässig auf dem Waschtisch geparkt.

Die „Air Marshals“, sie gehören seit 9/11 zum Standardprogramm amerikanischer Airlines. Sie sind Cops, die über den Wolken für Sicherheit sorgen sollen, damit Terroristen keine Flugzeuge mehr in Türme lenken können oder mitten über dem Atlantik Bomben zünden.

Natürlich gibt es unter den Air Marshals auch Flug-Angstler. So wie Bill. Der besteigt hochnervös einen Interkontinentalflug nach London, und die Dame neben ihm (Julianne Moore) nimmt seine Hand, um ihm über die Angst hinwegzuhelfen. Aber schon nach kurzer Zeit beschäftigen den Marshal ganz andere Sorgen als die Flugangst: Ein Unbekannter hackt sich in seinen Hochsicherheits-Handy und droht ihm, alle 20 Minuten einen Passagier an Bord zu ermorden, sofern nicht 150 Millionen Dollar auf ein Konto überwiesen werden.

Dumm ist, dass die Drehbuchautoren hier die ausgetretene Masche mit der Psycho-Tour wählen: So wird Bill schnell selbst zum Verdächtigen, denn das erste Opfer stirbt durch seine Hand, als er gerade verhindern will, dass jemand umkommt. Ist da etwa ein Spaltungsirrer am Werk?

Das Sterben geht weiter

Über den Wolken wird weiter gestorben, und scheint der Terrorist endlich überführt, meldet er sich postwendend wieder per SMS. Das Vertrauen der Passagiere in den Air Marshal sinkt rapide, zumal bekannt wird, dass das Erpressergeld auf ein Konto überwiesen werden soll, dass auf seinen Namen lautet.

Die Probleme dieser hanebüchen konstruierten Katastrophen-Story sind mannigfach: Neeson selbst gibt eine seiner lächerlichsten Performances. Das Drehbuch schlittert rücksichtslos in jedes vorstellbare Genre-Klischee. „Non-Stop“ ist ein derber Whodunit im SMS-Zeitalter, der nicht nur abgeschmackte Dialoge, sondern auch haarsträubende Auflösungen parat hält. Ehrenwert ist immerhin, dass Regisseur Jaume Collet-Serra versucht hat, Spannung in nur einem einzigen Raum aufzubauen – in der Kabine eines Flugzeugs. Denn ein anderes Set gibt es nicht: Zwar telefonieren die Protagonisten schon mal mit FBI und Flugsicherheit, dorthin „geschaltet“ wird aber nie. Ein Low-Budget-Film mit Starbesetzung also, denn die Action findet nur zwischen den Sitzreihen statt. Ein Kinobesuch lohnt nicht, denn „Non-Stop“ ist das klassische B-Movie, das man sich gemütlich auf DVD ansieht. Allerdings lieber nicht an Bord eines Fliegers.
Matthias Greuling
NON-STOP – ab 13.3. im Kino
USA 2014. Regie: Jaume Collet-Serra. Mit Liam Neeson, Julianne Moore
Dieser Beitrag ist auch in der Wiener Zeitung erschienen. 
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