Super-Hypochonder: Jeder Kuss kann tödlich sein / Dany Boon

Wenn Romain Faubert (Dany Boon) eine Google-Recherche anstellt, dann endet das zumeist auf der Intensivstation: Faubert ist nämlich ein Hypochonder, und die vermuten hinter einer harmlosen Blähung schon mal einen beklemmenden Brustschmerz mit anschließendem Herzstillstand. Oder machen ihr Testament, sobald sie Kreuzschmerzen haben. Oder berühren vor lauter Panik lieber keine Hände und Bussi-Wangen, denn darauf lauern Abermillionen an Bazillen.
Dany Boon, angsterfüllt in „Super-Hypochonder“. (Foto: Lunafilm)
Weil jeder Kuss den Tod bedeuten kann, hat es Romain auch mit Frauen recht schwer. Und mit seinem Hausarzt. Dr. Dimitri Zvenka (Kad Merad) hat keine ruhige Minute mehr, seit Romain seine Privatnummer kennt; der Doktor weiß: Nur, wenn Romain bald seine Traumfrau findet, ist es mit der Hypochondrie vielleicht vorbei. Dann zählt nämlich die Liebe.
Das ist nur die eine Seite von „Super-Hypochonder“, Dany Boons neuer Komödie. Der Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller hat in den Film nämlich noch eine zweite Geschichte verpackt. Als Romain durch einen Zwischenfall mit dem auf der Flucht befindlichen Revolutionsführer Anton Miroslav (Jean-Yves Berteloot) verwechselt wird, nimmt er das neue, ungestüme Männerbild, das nun auf ihn projiziert wird, dankbar an.

Revoluzzer im Militär-Look

Plötzlich ist der schüchterne Romain ein gestandener Mann in Militär-Outfit, der sich eher wenig um seinen Blutdruck sorgt. Was wiederum Zvenkas Schwester Anna (Alice Pol) schwer imponiert, weil sie ein Faible hat für idealistische Kämpfernaturen.
Dany Boon hat seinen komödiantischen Stil seit „Willkommen bei den Sch’tis“ und „Nichts zu verzollen“ nicht wirklich weiterentwickelt. Wozu auch? Seine Masche, eine Mixtur aus Slapstick und hintergründigem Humor, bringt das Publikum zum Lachen und funktioniert bestens. So auch diesmal, jedoch mit Einschränkungen: Dany Boon hat in seinen Film allzu viel Anstrengung gesteckt, um mit den Vorgängern mithalten zu können (in Frankreich hatte „Super-Hypochonder“ immerhin schon über drei Millionen Zuseher) – was den Film zuweilen seltsam überladen wirken lässt. In der ersten Hälfte, die sich vorwiegend um den eingebildeten Kranken dreht, lahmt das Erzählkonzept schnell, nur das herrliche Zusammenspiel von Boon und Merad hält das Tempo aufrecht. Irgendwann scheinen Boon dann die Gags zwischen Desinfektionsmittel fürs Gesicht und Einlieferung in die Intensivstation auszugehen, und erst in der zweiten Hälfte gewinnt „Super-Hypochonder“ wieder an Fahrt, was wohl am skurrilen Verwechslungsplot liegen mag. Niveauvoller wird die Komödie dadurch aber nicht mehr.
Trotzdem gibt es einiges zu Lachen: Brachialhumor und Slapstick zelebriert Dany Boon in Reinkultur, und wenn vor lauter Lachen am Ende dann das Zwerchfell schmerzt, machen Sie bitte alles, nur eines nicht: Sehen Sie nicht auf Google nach. 

Matthias Greuling

Super-Hypochonder, F 2013 – ab 10.4. im Kino
Regie: Dany Boon. Mit Dany Boon, Kad Merad, Alice Pol

Diese Kritik ist auch in der Wiener Zeitung erschienen.
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