Nicole Kidman eröffnet Cannes 2014 mit GRACE OF MONACO

Tim Roth mit Nicole Kidman (Foto: Katharina Sartena)

Nicole Kidman bewies in Cannes, dass sie zu den ganz Großen des Hollywood-Geschäfts gehört: Das sieht man daran, dass man in dieser Liga zu absoluter Perfektion tendiert, zumindest vom Anspruch her. Und so sieht die 46-jährige Australierin beim Fototermin natürlich blendend aus – ein bisschen Botox war da womöglich schon im Spiel, jedenfalls aber ein guter Make-up-Artist. Doch es ist nur ein schmaler Grat von der Perfektion zur fratzenhaften Lachnummer – die kann Kidman (noch) gekonnt umschiffen. Es ist nicht leicht für Hollywood-Diven, zu altern. Denn ihre Schönheit ist ihr Geschäftsmodell.

Kidman aber geht damit recht salopp um. Immerhin spielt sie in dem Cannes-Eröffnungsfilm „Gracce of Monaco“ niemand geringeren als die einstige Fürstin von Monaco, Grazia Patrizia. Die hieß im bürgerlichen Leben Grace Kelly und war einer der größten Filmstars ihrer Zeit, bevor sie  Fürst Rainier heiratete, um ihren Wunsch nach einer Familie zu stillen. Dass sie in Monte Carlo nicht immer glücklich war, zeigt nun dieser Film von Olivier Dahan. Allein, dass die Kidman mit 46 Jahren Grace Kelly spielt, als diese 33 war, zeugt vom großen Selbstbewusstsein, dass man in dieser umkämpften Branche haben muss. Kidman hat es. Mit Recht.
Nicole Kidman in Cannes (Foto: Katharina Sartena)

Um den Film gab es im Vorfeld viele Negativ-Schlagzeilen: Harvey Weinstein wollte den Film partout nicht in den USA herausbringen, weil er mit dem Schnitt nicht einverstanden war. Das hat sich mittlerweile erledigt; er und Dahan haben sich doch noch geeinigt. Weniger friedlich fiel das Urteil der monegassischen Fürstenfamilie aus, die „Grace of Monaco“ ablehnt, weil der Film „historisch ungenau“ sei. Der Fürst und seine Familie blieben der Cannes-Premiere deshalb demonstrativ fern.

„Ich finde das sehr schade“, sagte Nicole Kidman in Cannes. „Denn der Film greift Grace und die Familie nicht an. Er ist fiktionalisiert worden, klar. Aber wenn sie den Film sehen würden, würden sie begreifen, dass wir darin nur in großer Liebe und Bewunderung für Grace Kelly schwelgen“.

Für Kidman war es ein Novum, „als Hollywood-Star einen anderen Hollywood-Star zu spielen. Es gab schon viele Rollen, in denen ich eine tatsächlich lebende Person dargestellt habe“, sagt Kidman. „Aber noch nie einen Star und noch nie eine Prinzessin“. Sechs Monate lang habe Kidman für die Rolle alle Filme von Grace Kelly studiert, vor allem jene drei, die sie mit Alfred Hitchcock drehte: „Bei Anruf Mord“ (1954), „Das Fenster zum Hof“ (1955) und „Über den Dächern von Nizza“ (1956). „‘Das Fenster zum Hof‘ ist mein absoluter Lieblingsfilm mit Grace“, erzählt Kidman.

Hitchcocks Filme definieren darob auch den visuellen Stil des Films, bestätigt Regisseur Olivier Dahan. „Der Film ist kein Bio-Pic, sondern ein Porträt. Und zugleich auch ein Film über das Kino selbst, denn ich erzähle über eine leidenschaftliche Schauspielerin“, so Dahan. „Der Film sollte komplex und zugänglich zugleich sein“. Ein Spagat, der leider nicht wirklich gelang – zu schleppend inszeniert, zu wenig spürbare Leidenschaft für seine Hauptfigur.
Nicole Kidman mit Paz Vega (Foto: Katharina Sartena)

Dabei hätte ein Grace-Kelly-Porträt durchaus Stoff für großes Kino geboten, meint auch Nicole Kidman: „Grace Kelly gewann sehr jung einen Oscar und dann verließ sie Hollywood, um eine Familie zu gründen. Bald aber merkt sie, dass die Leidenschaft fürs Filme Drehen noch ganz stark in ihr steckt. Ich kann das sehr gut nachvollziehen: Man kann sich seiner wahren Leidenschaft im Leben nicht entziehen, wenn man ein kreativer Mensch ist“.

Eine Gemeinsamkeit, die Kidman an sich und Grace Kelly entdeckt haben will. „Es gibt überhaupt etliche Parallelen zwischen mir und Grace Kelly“, findet Kidman. „Es gibt aber auch Unterschiede: Ich habe zum Beispiel keinen Prinzen geheiratet“, lacht sie in Anspielung auf ihren Ehemann Keith Urban. Zumindest sei er doch ein kleiner Prinz für sie, nämlich „einer vom Lande“.
Matthias Greuling, Cannes
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