Woody Allen glaubt an "Magic in the Moonlight"

Er ist ein Nimmermüder unter den Regisseuren, der gerade seinen 50. Spielfilm abgedreht hat. Wie immer trägt dieser noch keinen Titel. Nur die Hauptrollen sind bekannt, und Emma Stone ist wieder mit von der Partie. „Wieder“ deshalb, weil sie bereits in „Magic in the Moonlight“, dem 49. Film von Woody Allen, zu sehen ist, der jetzt in die Kinos kommt.
Colin Firth und Emma Stone in „Magic in the Moonlight“ (Foto: Warner)
Der 79-jährige, vierfache Oscarpreisträger Allen hat in seiner Laufbahn einige Musen verbraucht, um große Filme zu drehen, zuletzt war dies Scarlett Johansson. Emma Stone wirkt wie eine Neuauflage von Diane Keaton, vereint aber zusätzlich charmanten Witz mit einer geheimnisvollen, naiven Aura von Erotik.
Leider gehört „Magic in the Moonlight“ nicht zu Allens Meisterstücken. Die solide romantische Komödie folgt einer klassischen, linearen Inszenierung, zugleich öffnet sie durch den bei Allen sehr seltenen Einsatz des Cinemascope-Bildformats optische Räume, die der inneren Geschlossenheit der Geschichte widersprechen, oder sie zumindest kontrastieren.
Der Trumpf, den Allen hier gekonnt ausspielt (und der auch ein bisschen diesen Film rettet), ist das wunderbare Zusammenspiel zwischen den Hauptdarstellern: Colin Firth spielt den Magier Stanley Crawford, der Ende der 1920er Jahre als der größte Zauberkünstler der Welt gilt. Rund um den Globus führt er seine unglaublichen Kunststücke einem begeisterten Publikum vor. Unnötig zu erwähnen, dass Crawford als Illusionist nicht an übersinnliche Fähigkeiten oder gar Magie glaubt.
Zauberei gibt es nicht Zumindest so lange nicht, bis er bei einer Reise an die Côte d’Azur die junge Amerikanerin Sophie Baker (Emma Stone) kennenlernt. Sie soll angeblich seherische Fähigkeiten haben, und Crawford will das überprüfen. Für ihn ist das glatter Humbug, denn Zauberei gibt es nun mal nicht. Doch bald schon nähern sich beide einander an, und Bakers Vorhersagen sind von treffender Genauigkeit – Crawfords bisheriges Bild von der Welt lässt sich so nicht mehr aufrechterhalten.
Was stets passierte, wenn Woody Allen in seiner späten Schaffensphase ab dem Jahr 2000 von Magie erzählt hat, trifft auch diesmal zu: Allen, ein glühender Verehrer von Houdini und allem, was Zauberei betrifft, ist so verliebt in das Thema seines Films, dass ihm die Kontrolle über Konstruktion und Fortgang der Geschichte entgleitet. Das war schon bei „Im Bann des Jade Skorpions“ (2001) so, aber dort rettete Allen als Hauptdarsteller mit viel Slapstick die Inszenierung. In „Scoop“ (2006) gelang das trotz Allen und Scarlett Johansson schon nicht mehr. In dem viel ernster gemeinten „Ich sehe den Mann deiner Träume“ (2010) wiederum gibt es eine Wahrsagerin, die es in dieser Geschichte über die Fallen falscher Lebensentwürfe eigentlich gar nicht gebraucht hätte.

Auch in „Magic in the Moonlight“ geht der Fan des Übersinnlichen mit Allen durch. Darius Khondji liefert zwar verträumte, sonnendurchflutete Bilder, in denen sich im Art-Deco-Setting altmodische Romantik entspinnen kann, jedoch liegt die wahre Schwachstelle in Allens Paradedisziplin, dem Drehbuch. Dort findet statt einer Figurenentwicklung nur belangloses Geplänkel statt, das sich dank Firth und Stone immerhin gut anhört, zumindest in der Originalversion.

Matthias Greuling

Dieser Beitrag ist auch in der Wiener Zeitung erschienen.   
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