Fifty Shades of Grey: Lasche Handschellen

Wenn Christian Grey (Jamie Dornan) mit seinem Latein am Ende ist, setzt er Anastasia Steele (Dakota Johnson) kurzerhand in einen Flieger. Egal, ob der eigene Heli oder der Segelflieger – Ana hat dann das Gefühl von Freiheit und kommt wieder auf Linie. Auf die „Ich-will-dich-unterdrücken-und-dir-wehtun-weil-ich-schon-als-Kind-misshandelt-wurde-Linie“ des Herrn Grey.
„Fifty Shades of Grey“ (Foto: Universal Pictures)
Alles in „Fifty Shades of Grey“ ist auf kommerziellen Erfolg getrimmt: Die Folterkammer heißt hier Spielzimmer, das klingt harmloser. Sein Geld investiert Mr. Grey in Autos oder in seine Sexsklavin (wie reaktionär: Wieder einmal führt der Weg zum Herzen einer Frau über das Portemonnaie). Die SM-Sexszenen sind fader Blümchen-Sex, damit man eine niedrige Altersfreigabe (bei uns 16) erreicht. Schön ausgeleuchtet der zweifellos hübsche Körper von Dakota Johnson, die man(n) deshalb liebgewinnt, weil sie keine aufgetakelte Luxus-Tussi spielt, sondern die Studentin von nebenan, die gerne unschuldig auf ihrer Unterlippe rumbeißt. Das macht Mr. Grey so lüstern, dass er ihr sogar beim Kotzen die Haare hält. Dafür zeigt er seinen Penis nie her. Überhaupt ist diese Figur ein farbloser Mix aus einem Bruce Wayne mit Milchbubi-Gesicht und einer Kotzbrocken-Version von Richard Gere in „Pretty Woman“ – und Jamie Dornan ist eine fatale Fehlbesetzung: Seine Farblosigkeit wird von Regisseurin Sam Taylor-Johnson mit einer hoffnungslosen Romanze ausgeglichen, in deren Verlauf sich die Rollen umdrehen und Steele schließlich Grey domestiziert; ein Cliffhanger zum zweiten Teil darf nicht fehlen, und davor viel Schmerz beim Ertragen von sechs Hieben mit dem Rohrstaberl. Lars von Trier bricht spätestens hier in Gelächter aus, wenn „Fifty Shades of Grey“ da irgendwo zwischen Schmerz-Verlangen und Frauenhaus pendelt, also zwischen zwei weit voneinander entfernten Polen.
Skandalös ist an diesem Filmchen nichts: ein erektionsloser Beitrag zum Softsex-Genre, in dem Sex sauber bleibt, wo bei Lars von Triers „Nymphomaniac“ längst die Po-Backen von Charlotte Gainsbourg wie Frankfurter aufplatzen. Ein Filmtipp übrigens für Enttäuschte, derer es viele geben dürfte. Den Ticketpreis investiert man besser in ein Paar Handschellen.
Matthias Greuling
Dieser Beitrag ist auch in der Wiener Zeitung erschienen.
 
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