Tankwart-Weisheiten: "Zu Ende ist alles erst am Schluss"

Das Leben ist ein Kreislauf, den jeder von uns nur einmal durchläuft. Und weil man auf einem Sofa im Altersheim nur ungern auf das Ende wartet, büchst man aus, solange es noch geht. „Zu Ende ist alles erst am Schluss“ von Jean-Paul Rouve erzählt so eine Geschichte: von einer alten Oma, die verschwindet und nur ihrem Enkelsohn zaghafte Hinweise auf ihren Verbleib zukommen lässt.

„Zu Ende ist alles erst am Schluss“ (Foto: Fiomladen)
Doch der Reihe nach: Romain, gespielt vom sympathischen Jung-Mimen Mathieu Spinosi, hadert mit seinem jungen Leben, weil es darin ziemlich turbulent zugeht: Nicht genug, dass die Ambitionen des Jung-Literaten betreffend seine schriftstellerischen Fähigkeiten überaus hoch und etwas realitätsfern sind, bringt auch sein Job als Nachtwächter in einem Hotel nicht gerade die Erfüllung. Außerdem ist soeben erst sein Großvater gestorben, sein Vater (Michel Blanc) sieht sich gezwungen, Großmutter Madeleine (dargestellt von der 83-jährigen französischen Chanson-Legende Annie Cordy) in ein Heim zu stecken, und Romains Mutter (Chantal Lauby) verlangt die Scheidung von ihrem Mann. Und dann, genau: Entfleucht die Oma aus dem Heim. Keiner weiß, wohin sie ist, nur Romain erhält bald geheimnisvolle Postkarten, die ihn auf die Fährte seiner Großmutter bringen sollen. Romain macht sich auf, die Oma zu suchen. Er begibt sich ganz in den Norden Frankreichs, wo das Wetter rau ist und der Blick auf das eigene Leben klar.
„Zu Ende ist alles erst am Schluss“ ist die Geschichte eines jungen Mannes, der sehr früh im Leben die Gelegenheit hat, selbstreflexiv zu sein und den für ihn richtigen Lebensweg einzuschlagen. Regisseur Jean-Paul Rouve versammelt in seiner recht stillen, unaufgeregt vor sich herplätschernden Komödie eine Menge harmloser Alltagsskizzen aus der Feder von Romanautor David Foenkinos („Nathalie küsst“), dessen Vorlage „Les souvenirs“ den durchaus stimmigeren Titel für die Geschichte trägt.
Erinnerung an früher

Schließlich geht es hier auch um die Erinnerungen einer alten Frau, die am Ende ihres Lebens mal traurig, mal heiter an früher zurückdenkt. Dadurch erhält die Verfilmung auch einen dramatischen Touch; ein Film, der wie so viele französische Geschichten ein bisschen zwischen den Stühlen sitzt und von dem man nicht weiß, ob man über ihn lachen soll oder weinen. Wie im echten Leben also.

Das Dumme an solchen „lebensnahen“ Geschichten ist mitunter aber ihre Belanglosigkeit. Die dramatische Struktur einer Filmerzählung aufzubrechen, wäre ein künstlerischer Akt, sie jedoch bloß mit Trivialitäten aufzufüllen, so wie dies hier phasenweise geschieht, erzeugt Langeweile und das Gefühl, man trete als Zuschauer auf der Stelle, obwohl der Film doch immerzu weiterläuft. Hingegen gelingt ein wunderbares Zusammenspiel von Spinosi, Blanc und Cordy, und ein paar Weisheiten hält der mit großer visueller Eleganz verfilmte Roman auch parat: Man soll im Leben Rückschau halten, wenn aus der Zukunft etwas werden soll. Diesen Satz kredenzt im Film übrigens ein sinnierender Tankwart. Die Bedeutung dieser Berufsgruppe wird für das Allgemeinwohl immer noch unterschätzt.


Matthias Greuling
 

Zu Ende ist alles erst am Schluss, F 2014
Regie: Jean-Paul Rouve. Mit Mathieu Spinosi, Michel Blanc, Annie Cordy

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