"Broadway Therapy": Bogdanovich ist der bessere Woody Allen

Es kann eigentlich nur einen geben, der „Broadway Therapy“ nicht mag: Woody Allen. Ganz einfach deshalb, weil ihm ein solcher Film, der zuweilen seinen schnoddrig-lakonischen Humor imitiert, schon seit vielen Jahren nicht mehr gelungen ist.
Dabei ist „Broadway Therapy“ eigentlich kein Imitat eines Woody-Allen-Films, sondern vielmehr eine Reprise der „guten, alten Zeit“, der Goldenen Ära Hollywoods, die auch Allen verehrt und die sich im Rückblick leicht zu einer Charmebombe voller picksüßer Verwechslungen und Romanzen verdichten ließe.

„Broadway Therapy“ von Peter Bogdanovich (Foto: Filmladen)

Peter Bogdanovich ist mittlerweile 76 Jahre alt und hat sich dank seiner Filme „The Last Picture Show“ (1971), „Is’ was, Doc?“ (1972) oder „The Thing Called Love“ (1993) den Status eines Kult-Regisseurs erarbeitet. Dass er nun nach 13-jähriger Absenz vom Regiestuhl so eine spritzige Screwball-Komödie der alten (nämlich: ganz alten) Schule vorlegt, unterstreicht nicht nur, wie sehr Bogdanovich als grandioser Filmhandwerker stets den richtigen Rhythmus und das richtige Tempo für eine Komödie trifft, sondern auch, dass er nach wie vor seinen Hang zum klassischen Hollywood-Kino nicht leugnen kann oder will. „Modern“ ist Bogdanovich nämlich nicht, egal, wie man diesen Begriff erläutern mag. Das eint ihn mit Woody Allen.
In die Irre geführt
Alles muss also sehr klassisch sein: In „She’s Funny That Way“ (Originaltitel) erzählt Bogdanovich daher folgerichtig einen Plot, der frappant an die Verwechslungskomödien der 30er und 40er Jahre erinnert, in denen die Herren noch Frack trugen und den Damen die Türen aufhielten, in denen aber auch jeder jeden in die Irre führte, um beim Publikum den berühmten Aha-Effekt zu erzielen, bei dem der Zuschauer einen kurzen Informationsvorsprung gegenüber den Filmfiguren hat. Hitchcock hat dieses Prinzip aus der Komödie erfolgreich im Thriller angewandt und Suspense getauft.

Spaß und Spannung sind also ein gutes Team, das weiß auch Bogdanovich: Munter intoniert er die Geschichte einer Prostituierten (Imogen Poots), die in New York an einen Theaterregisseur (Owen Wilson) gerät, der sie für den Broadway „entdeckt“. Fortan muss die Ex-Nutte gemeinsam mit des Regisseurs eifersüchtiger Ehegattin auf der Bühne stehen, einen lästigen, ehemaligen Stammkunden abwimmeln und ihre psychisch gar nicht so standfeste Therapeutin ertragen – Letztere wird übrigens ganz wunderbar hysterisch von Jennifer Aniston gespielt, die damit nicht nur dem vorzeitigen Karrieretod entgeht, sondern sogar die beste Performance ihres Filmlebens abgibt.

Entscheidend ist nicht die turbulente Geschichte, die Bogdanovich mit launigem Schneid inszeniert, sondern die Art, wie er zwischen eloquentem Slapstick und theatralischer Nummernrevue die „Goldene Ära“ zitiert; anders gesagt: sich dabei hemmungslos im endlosen Gag-Fundus der Klassiker bedient. „Broadway Therapy“ ist ein Sammelbecken für Zitate von Lubitsch, Capra, Sturges oder Hawks, wo ständig die Türen knallen und die saloppe Komödie immer mehr Fahrt aufnimmt. Das hohe Tempo und das Bemühen vieler zur Komödie notwendiger Klischees machen Bogdanovich hier zu einem besseren Woody Allen. Jedoch mit einem Unterschied: Bogdanovichs Film will in keiner Sekunde intellektueller sein, als er ist – genau daran sind bekanntlich einige Allen-Komödien gescheitert.

Matthias Greuling

BROADWAY THERAPY, USA 2014
Regie: Peter Bogdanovich. Mit Imogen Poots, Owen Wilson
Ab 21.8. im Kino

Dieser Beitrag ist auch in der Wiener Zeitung erschienen.
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