Star Wars Episode VII: Man fühlt sich wie zuhause

Es sterben durch das Lichtschwert die folgenden Personen: Keine Angst, wir verraten Ihnen das nicht, sondern halten uns ganz brav an die von Disney erbetene Diskretion, um dem Kinobesucher den Spaß nicht zu verderben. Versuchen wir trotzdem etwas über den Film zu sagen, denn die Vorfreude bei den Fans will ja geschürt werden: Zumindest als Zuschauer, der die erste Trilogie von 1977 bis 1983 gut genug kennt, vielleicht sogar mit ihr aufgewachsen ist, treten hier nostalgische Gefühle mit Kindheitserinnerungen in eine süchtig machende Symbiose. Etwas, das Disney seit jeher in Perfektion bedient.076
„Star Wars“-Fans werden sich im neuen Abenteuer dank einer großen Portion Retro-Charmes sofort wie zuhause fühlen. Regie führte J.J. Abrams, ein Mann, der dank „Mission: Impossible III“ oder „Super 8“ weiß, wie Blockbuster funktionieren, und seit seinem Reboot von „Star Trek“ kann er auch mit Kult-Stoffen umgehen, als wären sie eine Fingerübung. Der Trick ist: Respekt vor der Vorlage, aber nur soviel, wie unbedingt nötig. Sonst wird das Ergebnis heuchlerisch oder lächerlich.

Für „Das Erwachen der Macht“ hat J.J. Abrams beide Pole gut umschifft. Weil man bei „Star Wars“ in besonders viele Fallen tappen kann, kaschiert Abrams das gegebenenfalls mit rasanten Schnitten und hochschaubahnartiger 3D-Flugmanöver über diverse Planeten- und Raumschiffoberflächen. All das sieht so gut aus, dass einem fast schlecht werden könnte vor Sogwirkung.
Nach dem obligaten „Star Wars“-Intro in Original-Schrift von 1977, die langsam in den Sternenhimmel davonzieht, begleitet vom bekannten Score von John Williams, finden sich die nunmehr schon wohlig und heimelig gestimmten Zuschauer in einem brutalen Angriffsszenario wieder: Die „First Order“ genannte Nachfolge-Diktatur des Imperiums, die hier ihr Unwesen treibt, schickt ihre Strom Trooper, die ein Lager der Rebellen angreifen, wo sie Hinweise auf den Verbleib von Luke Skywalker erhoffen. Doch kurz vor dem Angriff gelingt es, einen kleinen Droiden namens BB-8 mit dem gesuchten Hinweis hinfort zu schicken, ehe der dunkle Kylo Ren (Adam Driver) einmarschiert, eine Art Schmalspur-Darth Vader für Arme, mit kleinerem Helmchen und noch kleinerem Ego.089
Neben all den atemberaubenden Actionsequenzen ist an Episode VII vor allem eines interessant: Das Spiel mit der Vorstellung, man könne nicht bloß von der guten Seite der Macht auf die dunkle Seite gelangen, sondern auch wieder retour. Hier stehen gleich zwei Böse auf wackeligen Beinen, doch während Kylo Ren lange braucht, um sich unter den Helm blicken zu lassen, ist es der einfache Storm Trooper Finn (John Boyega), der schon beim Eröffnungsangriff vor lauter Muffensausen das Weite suchen möchte und sicherheitshalber zu den Rebellen überläuft. Es geht also. Die Heilung vom Bösen scheint möglich.
Der beste Neuzugang im „Star Wars“-Universum ist die junge, athletische Rey (Daisy Ridley). Als Figur deshalb, weil sie vom Typus Kampfsau meets Jedi-Kriegerin ist und eine beeindruckende Präsenz zeigt; als Besetzung, weil die 23-jährige Britin, die optisch irgendwo zwischen Natalie Portman und Keira Knightley pendelt, sich ihren Londoner Akzent behalten darf. In einer Galaxie voller intergalaktischem Kauderwelsch eine wahre Wohltat für das Ohr.
Rey formt mit dem desertierten Storm Trooper Finn und dem plötzlich wieder aufgetauchten Han Solo (spitzbübisch wie eh und je: Harrison Ford) ein Team, das sich auf die Suche nach Luke Skywalker begibt und wird dabei vom „First Order“ verfolgt. Dabei gibt es gegen Ende hin ein für alle schockierendes Ereignis. Mehr Handlung ist eigentlich nicht.

Der Rest ist gewohnter Umraum: J.J. Abrams die gleichen Raumschiffe, Waffen und Sternenkreuzer wie damals in bewährtem „Used Look“. Auch die Schauplätze, die Kreaturen und die Szenerien ähneln frappant jenen aus der ersten Trilogie, sodass man (allzu) oft wie vor einem Deja-vu-Erlebnis steht: Man hat das alles schon einmal gesehen, vielleicht nicht ganz so spektakulär. Episode VII ist wie die geraffte Neuerzählung der Teile IV bis VI, ein Best-of, das alle Erwartungen artig erfüllt, damit aber einen Neustart der Reihe verpasst. Abrams erweist sich also als geschickter Verwalter eines Mythos, keinesfalls aber als sein Erweiterer. Bis 2018 sollen noch mindestens zwei weitere Episoden erscheinen, die vermutlich lautstärker, aber nicht besser werden dürften. Das Phänomen kennt man ja von Franchises wie „Fluch der Karibik“.
Immerhin stimmt das Wiedersehen mit alten Bekannten versöhnlich: Han Solo, Leia und Luke sind wieder da, in Originalbesetzung. Der eine mehr, der andere weniger. Dass „Star Wars“ plötzlich mit Kriegern im Rentneralter gespickt ist, lässt manche Szene unfreiwillig komisch wirken, in denen die Helden nicht mehr ganz so gelenk und trittsicher wirken.
Doch was ist Standfestigkeit wert in einer Saga, in der man als einfacher Storm Trooper mal eben so zur guten Seite wechseln kann? Wichtig ist vielmehr, dass zwischen R2D2, C-3PO, Chewbacca & Co. alles beim Alten bleibt: Die Macht (des Marktes) sorgt dafür, dass Revolutionen jeglicher Art gar nicht erst stattfinden.

Matthias Greuling

STAR WARS EPISODE VII: DAS ERWACHEN DER MACHT, USA 2015
Regie: J.J. Abrams. Mit Harrison Ford, Daisy Ridley, Carrie Fisher

Ab 17.12. im Kino

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