Independence Day: Wiederkehr: Ein Kino ohne Boden

Vor genau 20 Jahren hat Roland Emmerich ein Kunststück geschafft: Er hat einem Genre einen neuen Anstrich verpasst und es auf Gleise gesetzt, die immer schneller bergab führten, deren Ziel man aber nicht kannte; bis heute rasen die Blockbuster in Emmerichs Windschatten auf diesen Gleisen talwärts, immer schneller und immer abstruser werden ihre Inhalte, die Wendungen, die Plot Points, immer schwieriger hat es jeder Film, den vorangegangenen zu übertrumpfen. Emmerich ist der Erfinder eines Kinos ohne Boden: Er hat den Budgetwahnsinn losgetreten, mit dem Hollywood heute hadert: Immer weniger Filme mit immer größeren Budgets stoßen auf immer weniger Interesse beim zahlenden Volk. Aber anstatt sich schlauere Geschichten zu überlegen, kopiert man die alten einfach nochmal und verpackt sie aufwändiger. Ein Teufelskreis.

independence day 2

Jetzt ist Emmerich erstmals selbst in die Sequel-Falle getappt: Sein „Independece Day: Wiederkehr“ perfektioniert das von ihm erfundene Wettrüsten auf der Leinwand: Das Fehlen von Stars wie Will Smith (aus Teil eins) kompensiert Emmerich mit noch größer, schneller, kitschiger. Es geht erneut um eine Alien-Invasion, nur, dass die Raumschiffe der Außerirdischen diesmal gleich 5000 Kilometer Durchmesser haben. Eine Truppe mutiger, junger Krieger stellt sich ihnen in den Weg, darunter auch der Smith-Nachfolger Liam Hemsworth als Kampfpilot, der sich zusammen mit Jeff Goldblum, Bill Pullman, Jesse Usher oder einer völlig deplaziert wirkenden Charlotte Gainsbourg in platten Dialogen durch ein arg konstruiertes Script lavieren muss.

Emmerich weiß immerhin noch, wie man anständige Special Effects inszeniert, die die Vernichtung ganzer Metropolen zeigen. Doch diese apokalypitschen Bilder haben 1996 noch andere Gefühle ausgelöst als 2016, und Emmerich wurde zum unfreiwilligen Visionär, als viele seiner Bilder ab 2001 Realität geworden sind. Immerhin versucht sich Emmerich – wenn auch bescheiden – nun wieder als Visionär: In seinem neuen Weltvernichtungsszenario werden die Geschicke der USA von Obamas Nachfolger gelenkt, dem 45. US-Präsidenten. Es ist diesmal eine Frau.

Matthias Greuling

Independence Day: Wiederkehr, USA 2016 – ab 14.7. im Kino
Regie: Roland Emmerich. Mit Liam Hemsworth, Jeff Goldblum, Bill Pullman

Dieser Beitrag ist auch in der Wiener Zeitung erschienen.

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