Star Trek Beyond: Kirk und Spock haben die Haare schön

Das Datum ist magisch: Vor fast 50 Jahren, im September 1966, startete die Ur-TV-Serie „Star Trek“ im US-TV. Über 700 Serienepisoden und 12 Kinofilme später musste zum Jubiläum also ein neues Abenteuer her, bevor die Story um Captain Kirk, Spock und die Enterprise-Crew 2017 wieder in Serie gehen wird, im Fernsehen und bei Netflix.

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Spock (Zachary Quinto) hat perfektes Haar… (Foto: Paramount)

„Star Trek Beyond“ ist die dritte Verfilmung mit der jungen Besatzung – 2009 hatte J.J. Abrams die totgeglaubte Reihe zu neuem, pochendem Leben erweckt, und auch Kirk, Spock, Uhura und Scotty machten in der Neubesetzung gehörig Eindruck. Jetzt ist Abrams nur mehr als Produzent mit dabei, und das merkt man auch. Nicht, dass man seine Vorliebe für Linsenreflexe vermissen würde, aber der Ideenreichtum und die Kraft und die Herrlichkeit seiner Inszenierungsweise kamen allen gelegen, die „Star Trek“ wie eine Religion verehrten, bei zeitgleicher Nach-Vorne-Orientierung der gesamten Franchise. Mit Nostalgie kann der Mann umgehen, das weiß man seit „Super 8“. Eine alte Geschichte neu verpacken, aber nicht neu erfinden, darin liegt Abrams‘ Kunst. Ein Balanceakt, den Abrams auch gut mit „Star Wars“ schaffte.

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…aber Kirk (Chris Pine) steht ihm in nichts nach (Foto: Paramount)

Nun aber sitzt da Justin Lin im Regiestuhl, ein Action-Handwerker, der vier „Fast & Furious“-Filmen den Stempel aufdrückte. „Star Trek“ ist aber kein Autorennen, sondern die Geschichte einer Entdeckungsreise. Doch Lin kurbelt mit sichtlich großem Spaß an einer Weltraumralley, bei der es vorwiegend ums Zerstören geht. Wie schon beim Kaputtfahren der Boliden in „Fast & Furious“.

Wie von Lin zu erwarten, konzentriert sich der Film daher mehr auf Action und Effekte denn auf die Figuren. Dennoch gibt es ein paar augenzwinkernde Dialoge für eingefleischte Trekkies, der doch vorhandene, aber sparsam dosierte Wortwitz dürfte Simon Peggs Mitwirkung am Script zu verdanken sein. Dennoch erscheinen die Gags deplatziert, unmotiviert und nicht pointiert genug gesetzt. Aber wie auch? Ist der Film doch von vorn bis hinten eine einzige Actionsequenz, die für Dialoge kaum Platz hat, ebensowenig für einen Plot: Ein finsterer Schurke namens Krall (Idris Elba) schickt selbstmörderische Schwärme von allerorts einschlagenden Mini-Raumschiffen, um die Menschheit zu erledigen, man kennt das ja.

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Foto: Paramount

Dazwischen tut jeder das, was das Klischee verlangt. Kirk beweist vollen Körpereinsatz und hat irgendwann sogar zwei Schrammen im Gesicht (bei perfekt sitzenden, auftoupiertem Haar). Uhura ist schön und immer noch in Spock verliebt. Spock findet allerlei „faszinierend“ und Mister Chekov braucht nur ein Kabel zusammenzustecken, um die gesamte Enterprise mit Strom zu versorgen. Und die Styropor-Felsen auf dem bergigen Planeten, auf dem die Crew strandet, sehen aus, als hätte man sie handbemalt. Kirk, eben noch via Schleudersitz als letzter aus der abstürzenden Enterprise katapultiert, hatte offenbar eine saubere und schicke Ausgehuniform dabei, die er in der nächsten Szene trägt.

Die Filmemacher verbeugen sich auch vor dem 2015 verstorbenen Leonard Nimoy, dem der Film gewidmet ist, und vor Anton Yelchin, dessen Szenen als Chekov für ein Seufzen sorgen, weil der junge Mann erst kürzlich bei einem Autounfall starb.

Dazwischen ist „Star Trek Beyond“ sehr damit beschäftigt, die Übersicht über die schnellen Schnitte nicht zu verlieren. Ein nerviger Score überbetont permanent die ohnehin schon hektische Machart.

Hinzu gesellt sich schließlich der vielleicht brillanteste Einfall des Films: Da wird ein Schwarm todbringender Angreifer einfach mit „Sabotage“ von den Beastie Boys aufgemischt: Die Boxen laut aufdrehen genügt, auch, wenn sich Schall im All gar nicht ausbreiten kann. Spock hin oder her: Die Abteilung Logik hatte Urlaub.

Irgendwann, wenn die Effekte-Berauschung satt gemacht hat, bleibt genügend Zeit, um über das eigentliche Ansinnen von „Star Trek“ nachzudenken. „Star Trek“ ist in all dem Gewusel und Getöse Entwurf und Fantasie von der Kontrolle des Chaos, das in uns wohnt. Das ganze Weltall steckt in uns, denn unsere Milliarden Zellen sind ein ebenso unendlicher Kosmos. Ein Film, der Zeit für solche Gedanken lässt, sollte eigentlich als Meisterwerk gelten.

Matthias Greuling

STAR TREK BEYOND, USA 2016 – ab 21.07. im Kino
Regie: Justin Lin. MIt Chris Pine, Zachary Quinto, Simon Pegg

Dieser Beitrag erschien auch in der Wiener Zeitung

VIDEO: Star Trek Beyond: Hinter den Kulissen

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